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Als Zahnärztin zur Bundeswehr: Präparierkurs als zweite Chance

Würzburg, 07.12.2018.

In einem Präparierkurs am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Würzburg lernen pro Semester rund 400 Medizinstudentinnen und Medizinstudenten alle Details des menschlichen Körpers vom Scheitel bis zur Fußsohle. Unter ihnen auch die Sanitätsoffizierantwärterin Cynthia Bredemeyer.

Mit elf anderen Studenten steht Bredemeyer am Präpariertisch. „Wir haben den Kopf präpariert und dabei die Gesichtsnerven und die sehr feine mimische Muskulatur für das nächste Testat vorbereitet“, erläutert sie die Situation, die einen Außenstehenden eher gruseln lässt. Insgesamt zwölf Medizinstudentinnen und Studenten teilen sich hier einen konservierten Leichnam. Ein Präparierkurs bietet angehenden Medizinerinnen und Medizinern die Möglichkeit, den menschlichen Körper mit echtem Gewebe kennenzulernen – eine Erfahrung, die auch modernste Simulatoren nicht vermitteln können. Die Körperspender sind Freiwillige, die zu Lebzeiten eingewilligt haben, ihren Körper der Medizin zur Verfügung zu stellen.

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Unterschied zwischen Lehrbuch und Realität

Theorie und Wirklichkeit unterscheiden sich nicht selten. (Quelle: Sanitätsdienst der Bundeswehr/Henning)Größere Abbildung anzeigen

Das Spannende am Präparierkurs ist für die 27-Jährige der Unterschied zwischen Lehrbuch und Realität: „Die Darstellungen in den Fachbüchern sind ja oft idealtypisch. In der Realität gibt es aber durchaus Abweichungen in Bezug auf Aussehen oder Größe beispielsweise der Organe.“ Eine solche konnte Bredemeyer auch bei dem Anatomiekurs entdecken: „Das Herz hat mich fasziniert, weil es so überdurchschnittlich groß war.“

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Training in Kleingruppen

Vorbereitung ist alles. (Quelle: Sanitätsdienst der Bundeswehr/Henning)Größere Abbildung anzeigen

Während sie arbeiten, erklären sich die Studenten gegenseitig die lateinischen Bezeichnungen von Nerven, Muskeln oder Knochen. Bereits im Vorfeld mussten sie sich in Büchern theoretisch auf das Präparierfeld an diesem Tag, die Kopf- und Halsregion, vorbereiten. „Doch weder Bücher noch digitale Anwendungen alleine können den angehenden Mediziner das vermitteln, was diese später im OP-Saal oder in der Arztpraxis als Rüstzeug dringend benötigen. Damit meine ich die umfassende Kenntnis vom menschlichen Körper“, so Bredemeyer.

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Ethisch-moralische Hemmschwelle

Cynthia Bredemeyer weiß um die Bedeutung des Anatomiekurses (Quelle: Sanitätsdienst der Bundeswehr/Henning)Größere Abbildung anzeigen

Seit Oktober läuft der Präparierkurs. Am Anfang hat Bredemeyer bei ihren Kommilitonen schon eine gewisse moralische Hemmschwelle gespürt. „Die blasse aber doch intakte Haut eines Menschen zu durchschneiden, kostete Überwindungen“, erzählt Bredemeyer. Dabei kann sie sich noch sehr gut in die Situation hineinversetzen: „Für mich ist diese moral-ethische Abwehrreaktion ganz normal. Jeder weiß um die Bedeutung des Kurses und ist dankbar für die Spender. Doch als ich das erste Mal während meines Zahnmedizinstudiums vor einem Leichnam stand, musste ich auch schlucken.

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Berührungsängste gibt es nur am Anfang

Präpariersaal: Hier endet der Weg für einen Außenstehenden (Quelle: Sanitätsdienst der Bundeswehr/Henning)Größere Abbildung anzeigen

Nach mehreren Kursen sind auch bei ihren Kommilitonen die Hemmungen gewichen. Sie haben den menschlichen Körper mit allem Respekt vor den Körperspendern, als wichtiges Lern- und Forschungsobjekt begriffen. „Man kann die Anatomie des Menschen nicht besser lernen als durch präparieren.

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Stand vom: 07.12.18 | Autor: Uwe Henning


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