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Einmalige Kooperation – Bilanz nach einem Jahr Zusammenarbeit

Hamburg, 08.08.2007.
Vor gut 15 Monaten öffnete offiziell der Fachbereich Tropenmedizin des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg-Wandsbek im traditionsreichen Bernhard-Nocht-Institut (BNI) seine Türen - Zeit für die Redaktion mal hinter die Kulissen zu blicken und über erste Erfahrungen zu berichten.

Eingangsbereich BNILupe
Eingangsbereich BNI (Quelle: Bundeswehr / PIZ Sanitätsdienst (Thorsten Burger))
Kaum hatte der Fachbereich Tropenmedizin das erste Stockwerk des Bernhard-Nocht-Instituts im vergangenen Jahr bezogen, musste ein Teil schon wieder weg. Das Ziel: Zentralafrika. „Über 60 Prozent der Ärzte, Wissenschaftler und des medizinischen Assistenzpersonals waren im Kongo-Einsatz“, erklärt Oberfeldarzt Dr. Marcellus Fischer. Fischer ist der Leiter der kleinen, aber feinen Einheit oberhalb des Hamburger Hafens. Gemeinsam mit seinen Männern und Frauen begleitete der Sanitätsoffizier die Afrika-Mission vor, während und nach dem Einsatz. Die Sanitäter unterrichteten, untersuchten, impften und versorgten ununterbrochen das Bundeswehr-Kontingent auf dem Gebiet der Tropenmedizin.

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Patientenkontakt am BNILupe
Patientenkontakt am BNI (Quelle: Bundeswehr / Sanitätsdienst (Thorsten Burger))

Besonderes Wissen

Weil Auslandseinsätze der Bundeswehr auch in tropische Regionen führen können, entschied sich der Sanitätsdienst der Bundeswehr vor wenigen Jahren für eine Kooperation mit dem Bernhard-Nocht-Institut. Zunächst stand die Partnerschaft 2005 noch auf dem Papier, nahm aber Anfang 2006 mit einem Aufbauteam in dem altehrwürdigen rötlichen Institutsgebäude auf St. Pauli Formen an. Die offizielle Eröffnung des Fachbereiches Tropenmedizin der Hamburger Bundeswehr-Klinik fand Ende Mai 2006 statt.

Bei dem Partner des Sanitätsdienstes handelt es sich um die größte Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Tropenmedizin in Europa. Unter einem Dach vereint das BNI neben der Forschung, auch die Lehre und die Patientenversorgung. Vor allem beim "Kampf" gegen Mücken, Würmer, Viren oder anderer Krankheitserregern sollen die Häuser voneinander profitieren. "Die zivil-militärische Zusammenarbeit ist bundesweit beispielgebend", sagt Oberstarzt Dr. Michael Zallet. "Weil wir gemeinsame Ziele verfolgen, ist die Kooperation problemlos", bilanziert der Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg das erste Jahr.

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Besprechung Prof. Dr. Fleischer und OFA Dr. FischerLupe
Besprechung Prof. Dr. Fleischer und OFA Dr. Fischer (Quelle: Bundeswehr / Sanitätsdienst (Thorsten Burger))

Aktivitäten

Für die Partnerschaft wurden gemeinsame Aktivitäten in den Bereichen der Klinik, Diagnostik und Forschung mit zivil- und wehrmedizinischer Relevanz vereinbart. "Den Schwerpunkt der Arbeit bildet dabei die Tropen- und Infektionsmedizin", sagt Oberstarzt Zallet.Und das BNI ist ein hervorragender Standort für die Tropenmediziner der Bundeswehr. Die Einrichtung bringt ihre Infrastruktur und wissenschaftliche Exzellenz in die Partnerschaft ein. Beispielsweise haben die Tropenmediziner der Bundeswehr bei der Forschungsplanungskonferenz im militärischen Organisationsbereich Forschungsmittel für Projekte mit wehrmedizinsicher Relevanz beantragt. "Alle drei wurden als förderungswürdig erkannt und können nun im Fachbereich realisiert werden", freut sich der Leiter Oberfeldarzt Dr. Fischer.

Ein Projekt behandelt die Leishmaniose in Afghanistan. Das Krankheitsbild ist besser bekannt unter dem Namen Orientbeule und könnte auch Soldaten der ISAF-Truppe betreffen, da der Überträger zwischen Zivilpersonen und Soldaten keinen Halt macht. "Wir wollen hier in Zusammenarbeit mit den Forschern des BNI einige Aspekte der körpereigenen menschlichen Abwehrmechanismen gegenüber Leishmaniose erforschen", erklärt Fischer. "Das hat zum Ziel, dass wir vielleicht langfristig einen Beitrag zur Vorbeugung dieser Tropenkrankheit leisten können."

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Überprüfung: Schnelltest MalariaLupe
Überprüfung: Schnelltest Malaria (Quelle: Bundeswehr / Sanitätsdienst (Thorsten Burger))

Weitere Projekte

Oberfeldarzt Dr. Fischer sagt, dass Durchfälle eine der häufigsten Krankheitsursachen für militärische Kontingente in tropischen Einsatzgebieten seien. "Die Krankheitsausbrüche könnten Einfluss auf die Einsatzfähigkeit von Kontingenten haben", so der Sanitätsoffizier. Deshalb geht es in einem weiteren Forschungsprojekt um HighTech-Diagnostik in feldtauglicher und mobiler Variante. Hierzu erproben die Sanitäter an einer Außenstelle des BNI in Ghana den Einsatz eines hochsensiblen Gerätes unter Einsatzbedingungen: "Wir müssen Erreger noch besser und schneller erkennen sowie isolieren können", erklärt der Tropenmediziner.

Ein weiteres Projekt im Fachbereich beschäftigt sich mit neuen diagnostischen Verfahren bei Rückkehreruntersuchungen in den heimischen Laboren von Bundeswehr-Soldaten aus den Einsatzgebieten. Mit einem neuen, moderneren Nachweisverfahren verspricht man sich, Krankheitserreger im Stuhl oder auch im Blut noch deutlicher nachweisen zu können. "Wir möchten verhindern, dass uns beispielsweise mikrobiologische Trittbrettfahrer im Darmtrakt bei Routineuntersuchungen entgehen", erläutert Fischer zum Vorhaben. Bei allen Projekten arbeiten die Sanitäter mit den Mitarbeitern des Bernhard-Nocht-Instituts zusammen.

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Analysearbeiten im BNILupe
Analysearbeiten im BNI (Quelle: Bundeswehr / Sanitätsdienst (Thorsten Burger))

Ausbildung

Zudem nimmt der Sanitätsdienst der Bundeswehr das BNI als Ausbildungsstätte war. So hatten sich beispielsweise zwei Medizinisch-Technische-Assistentinnen des Fachbereichs vor dem Kongo-Einsatz am BNI in tropenmedizinisch-parasitologischer Diagnostik zertifiziert. "In einem Art Blitzkurs am Bernhard-Nocht-Institut haben die MTA`s des Sanitätsdienstes ihre Routine in der Malaria-Diagnostik vertieft und eine zivil anerkannte Prüfung abgelegt", sagt Professor Dr. Bernhard Fleischer.

Fleischer ist der Leiter des tropenmedizinischen Kompetenzzentrums und betont: "Nirgendwo anders hätten sich die Sanitäter dieses besondere Wissen aneignen können. Die Zusammenarbeit hat sich eindeutig bewährt." Darüber hinaus bildeten sich innerhalb des ersten Jahres über 110 Sanitätsoffiziere auf dem Gebiet der Tropenmedizin weiter.

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Fachbereich TropenmedizinLupe
Fachbereich Tropenmedizin (Quelle: Bundeswehr / Sanitätsdienst (Thorsten Burger))

Drei Partner

"Ein weiterer Partner ergänzt die zivil-militärische Kooperation", sagt der Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses. "Mit dem Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg bildet das Bundeswehrkrankenhaus und das BNI ein Dreieck in der Hansestadt." Für die Patientenversorgung im Hinblick auf Tropen- und Infektionskrankheiten nutzt der Sanitätsdienst der Bundeswehr alle drei Einrichtungen. Ärzte, Pfleger, Laboranten und Wissenschaftler des Fachbereichs Tropenmedizin arbeiten sowohl am Institut in der Ambulanz als auch stationär am Bundeswehrkrankenhaus und am UKE.

Am Universitätsklinikum Eppendorf unterstützt der Fachbereich Tropenmedizin beispielsweise die Isolationseinheit der Intensivstation mit Anästhesisten und Intensivpflegern des Sanitätsdienstes.
Sowohl im UKE, als auch am BNI erlernen oder vertiefen somit die Sanitätsdienstangehörigen ihre Erfahrungen in der Behandlung von Erkrankungen bei importierten Tropen- und anderen Infektionskrankheiten. An beiden Standorten können sich die Sanitäter in Übung halten und sich fachlich weiterbilden.

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Stand vom: 25.07.2008 | Autor: Thorsten Burger

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