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Schreckensmeldung Flugunfall: Eine Rechtsmedizinerin weltweit im Einsatz

Fürstenfeldbruck, 06.12.2017.
Flugunfälle bei der Bundeswehr sind glücklicherweise eine Ausnahme. Oberstarzt Dr. Babara Mayr leistet am Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe im bayerischen Fürstenfeldbruck seit 27 Jahren wichtige Detektivarbeit und blickt auf insgesamt 55 bis 60 tödliche Flugunfälle zurück, die sie als Rechtsmedizinerin untersucht hat.

Tatort Flugzeugabsturz: Oberstarzt Dr. Mayr übernimmt die rechtsmedizinische Untersuchung nach tödlichen Flugunfällen (Quelle: Bundeswehr/Twardy)Größere Abbildung anzeigen

In den letzten Jahren liegen „Real-Crime-Dokus“ voll im Trend. Rechtsmediziner ermitteln im Auftrag der Staatsanwaltschaft, um am Ende den Täter zu überführen. Natürlich sieht Rechtsmedizin im realen Leben etwas anders aus. Noch dazu, wenn der Arbeitgeber die Bundeswehr ist. Oberstarzt Dr. Babara Mayr ist eine von zwei Rechtsmedizinern der Bundeswehr. Ihr Hauptauftrag ist die rechtsmedizinische Untersuchung von tödlichen Flugunfällen der Bundeswehr. Aber auch bei zivilen Flugunfällen wird sie im Auftrag der Staatsanwaltschaft im Rahmen der Amtshilfe tätig.

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„Für eine Frau ist das nichts.“

Dabei wollte eine Begeisterung für dieses Feld der Medizin bei der jungen Medizinstudentin anfänglich im Sektionssaal nicht aufkommen. Es war die Zeit der Ärzteschwemme Anfang der 90er Jahre und bei der schwierigen Suche nach einem Arbeitsplatz ist sie über ihren Doktorvater auf das damalige Flugmedizinische Institut der Bundeswehr aufmerksam geworden. Aber auch dort hielt sich die Begeisterung des damaligen Leiters bei ihrer Vorstellung in Grenzen: „Für eine Frau ist das nichts“, erinnert sich Mayr noch heute. Doch ihre Zusatzausbildung in der medizinischen Informatik rettete sie schließlich. Computer eroberten die Arbeitswelt und der damalige Chef war froh, dass er mit Mayr jemanden gefunden hatte, die sich um dieses Feld kümmern konnte.

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Respekt vor der Aufgabe

Die Seiteneinsteigerin fühlte sich wohl in dem Team und wurde langsam herangeführt an das Feld der Rechtsmedizin. „Ich hatte großen Respekt vor der Aufgabe, wusste nicht, ob ich das packen werde“, erläuterte die Medizinerin. Nach einem Jahr schließlich der erste Einsatz. „Es war ein ziviler Flugunfall, aber nichts, was mir prägend in Erinnerung blieb“. Was blieb war aber die überraschende Erkenntnis, wie gut sie es verpackte. „Vielleicht ist es doch was für mich“, sagte sich die junge Medizinerin damals. „Besonders das kriminalistische Element hat mich gereizt. Wie kam es zu dem Flugunfall? Anhand der Verletzungsmuster und biomechanischen Einflüsse können wir wichtige Aufklärungsarbeit leisten“, so Mayr.

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Weltweit im Einsatz

Oberstarzt Dr. Barbara Mayr erinnert sich noch an ihren Einsatz in Namibia. (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Henning)Größere Abbildung anzeigen

In den vergangenen 20 Jahren ist die Rechtsmedizinerin viel herumgekommen. Die Azoren, USA, Kanada, Sizilien, Namibia, Thailand oder der diesjährige Absturz eines Kampfhubschraubers in Mali sind nur einige Beispiele. Insbesondere ihr Einsatz nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien war für die Ärztin eine besondere Erfahrung: „Das war einfach eine andere Dimension. Nicht nur wegen der Anzahl und dem Zustand der Opfer, auch wegen der besonderen Kameradschaft, die ich dort erlebt habe“.

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Nicht für jeden geeignet

Der Umgang mit dem Tod ist für Mayr kein Problem. „Ich kann das schnell verarbeiten und die Nase gewöhnt sich an alles“, antwortet sie mit einem Lächeln. Natürlich ist die Arbeit nicht für jeden geeignet. Mann oder Frau muss lernen, die Arbeit nicht an sich heranzulassen. Die Toten auf dem Bild zu sehen, empfand sie schon immer belastender als den Anblick in der Realität. „Ich denke, auch weil man am Einsatzort immer was zu tun hat“. Trotz aller Erfahrung und Routine möchte Mayr nie eine Erfahrung machen: bei einem Einsatz auf ein Unfallopfer aus ihrem Bekannten- oder Freundeskreis zu treffen. „Aber auch bei Kindern muss ich schlucken“.

Trotz der vielen Einsätze als Rechtsmedizinerin bleibt ihr noch ein Einsatz aus ihrer Anfangszeit in Erinnerung, der ihr schlaflose Nächte bereitet hatte: „Es war kurz vor einem Wochenende und wir haben den Fall gewohnt professionell abgearbeitet. Wir sind ohne eine Nachbesprechung zu unseren Familien gefahren. Das war ein Fehler“.

Oberstarzt Dr. Mayr ist auch als Gutachterin gefragt (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Henning)Größere Abbildung anzeigen

In der Rechtsmedizin geht es nicht nur um den Tod. Zum einen enden nicht alle Abstürze tödlich und zum anderen ist Mayr vor allem mit Gutachtertätigkeiten beschäftigt. Insbesondere toxikologische Fragen hinsichtlich der Flugtüchtigkeit oder das Drogenscreening bei Erstbewerbern zur Pilotenausbildung gehören zum Standardrepertoire ihrer Fachgruppe. Ihre Entscheidung Rechtsmedizinerin zu werden, bereut sie bis heute nicht.

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Stand vom: 06.12.17 | Autor: Uwe Henning


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