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Ein Schritt in die Zukunft mit erstem Direktor des MMCC

Koblenz, 06.06.2018.

Der Inspekteur des Sanitätsdienstes hat im Dezember letzten Jahres Generalarzt Bruno Most als  ersten Direktor des Aufbaustabes für das „Multinational Medical Coordination Center“ (MMCC) gegenüber den am Projekt beteiligten Nationen angezeigt. Im Gespräch gibt der dreifache Familienvater erste Einblicke in sein neues Aufgabengebiet.

Der Rettungstrupp übergibt den Verwundeten den behandelnden Ärzten der Role 2 im Rahmen einer Sanitätsübung im Koulikoro Training Center (KTC) in Mali. (Quelle: Bundeswehr / PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Was dürfen wir unter dieser Aufgabe verstehen?

Im Zuge der sicherheitspolitischen Umwälzungen der letzten Jahre, hier insbesondere den Eindrücken des Ukraine Konfliktes und der Annexion der Krim hat die NATO ein Rahmennationenkonzept beschlossen, (englisch: Framework Nation Concept (FNC)), in dem Schlüsselfragen der Einsatzbereitschaft durch größere Anlehnnationen mit Partnernationen weiterentwickelt werden. Deutschland hat sich unter anderem bereit erklärt, diese Leitfunktion für den Bereich sanitätsdienstliche Unterstützung zu leisten. Als Ergebnis haben wir die Idee eines „MMCC“ entwickelt, das unter anderem den Aufbau und die Führung sanitätsdienstlicher Kräfte optimieren soll. Dieses Projekt befindet sich hier in Koblenz im Aufbau. Meine Aufgabe als erstem Direktor ist es, dieses Zentrum an den Start zu bringen.

„Thinktank“ zur Ausgestaltung des MMCC (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Laymann)

Was hat sich bereits getan und welche Schritte sehen Sie für die nahe und ferne Zukunft?

Die Unterzeichnung eines „Letter of Intent“ durch alle Inspekteure am 2. Mai letzten Jahres auf der Festung Ehrenbreitstein war für uns ein symbolträchtiger Startschuss. Seitdem haben wir mit einem kleinen Team die Aufgaben, die das Zentrum in Zukunft leisten soll, weiter herausgearbeitet und in zahlreichen Gesprächen mit den beteiligten Nationen deren Erwartungshaltung festgestellt und einbezogen. Mit der Entscheidung des Inspekteurs des Sanitätsdienstes, meine Person als Direktor des Aufstellungsstabes zu benennen, haben wir für die Inspekteure der Partnernationen in allen Fragen einen unmittelbaren Ansprechpartner. Am 1. April hat der Arbeitsstab den neuen Standort in der Koblenzer Rheinkaserne bezogen. Ganz wesentlichen Anteil haben hierbei unsere beiden Verbindungsoffiziere aus den Niederlanden und Norwegen, die sich bereits seit Anfang 2018 aktiv in den Aufstellungsstab MMCC einbringen.

Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit den Verbindungsoffizieren?

Unsere beiden Verbindungsoffiziere haben mit ihrem Eintreffen angezeigt, dass sie neben dem klassischen Verbindunghalten, vor allem ihre Mitwirkung im Projekt MMCC als Kern ihrer Aufgabe sehen. Ich erhoffe mir im kommenden Jahr, dass weitere Nationen diesem Weg folgen und entweder durch Anwesenheit in Koblenz oder durch Mitwirken aus ihren jeweiligen nationalen Arbeitsplätzen unser Projekt voranbringen.

Sanitäter der Role 2 übernehmen den Verwundeten Kameraden von der belgischen Force Protection im Rahmen einer Sanitätsübung im Koulikoro Training Center (KTC) in Mali. (Quelle: Bundeswehr / PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Wie sieht das tägliche Miteinander aus?

Meine Mitarbeiter und ich internationalisieren unsere Stabsarbeit zusehends. Dies bedeutet auch, dass unsere Stabsbesprechungen in unserem Zentrum in der Arbeitssprache Englisch durchgeführt werden. Unsere Produkte sind verständlicherweise alle in Englisch. Die Idee der Multinationalisierung darf aber nicht am Eingang unseres neuen Zentrums enden, sondern wir müssen konsequenter Weise auch den gesamten Sanitätsdienst mehr und mehr multinationalisieren, um unsere Rolle als Leit- und Anlehnnation gerecht zu werden. Ich erwarte mir hier von den Fähigkeitskommandos Impulse für unsere Arbeit. Besondere Hoffnungen setze ich in englischsprachige Lehrgangsangebote der Sanitätsakademie.

Wo sehen Sie die Kernaufgaben des zukünftigen MMCC?

Wir sehen uns als Arbeitsmuskel operativer sanitätsdienstlicher Fragestellungen primär der europäischen NATO-Nationen, aber genauso für den Militärstab der Europäischen Union und Partner für VN-Missionen. Konkret wollen wir den Aufbau sanitätsdienstlicher Fähigkeiten koordinieren, Produkte der sanitätsdienstlichen Planung für NATO und EU erstellen, sanitätsdienstliche Einsatzplanungen verschiedener Bereiche zum Beispiel NATO, EU und VN miteinander harmonisieren und für die Zukunft auch Dienstleistungen, beispielsweise im Bereich der Verwundetensteuerung und Sanitätslogistik anbieten. Ein besonderer Baustein sollen Produkte und Informationen im Bereich des Gesundheitsschutzes der Einsatzkontingente werden. Hier wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern das international anerkannte System unsere „Medical Intelligence“ weiterentwickeln.

Generalarzt Bruno Most im Interview (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Laymann)Größere Abbildung anzeigen

Deutschland ist nicht nur Leitnation für das NATO Projekt MMCC, sondern auch für das PESCO (deutsch: ständige strukturierte Zusammenarbeit) -Projekt European Medical Command (EMC) der EU. Wie stehen beide Projekte zueinander?

PESCO ist Ausdruck der sicherheitspolitischen Anstrengungen der EU, Herausforderungen mit eigenen Kräften und Konzepten bewältigen zu können. Dies konkurriert aber nicht mit den Gedanken des Rahmennationenkonzeptes der NATO, das den europäischen Pfeiler stärken soll. Im Gegenteil, es gilt, beide Initiativen mit den gleichen Ressourcen unter einen Hut zu bekommen. Mein Team und ich sehen den Auftrag der EU als Ergänzung und weiteres Standbein an. EMC beschreibt als Idee nicht einen auf Weisungen aufbauenden Führungsanspruch, sondern mehr eine Institution, die Leistungen koordiniert und damit Dienstleister für Einsätze der Europäischen Union ist. Damit bewegen wir uns auf dem gleichen Terrain, das ich vorher für die Aufgabe des MMCC beschrieben habe. Die Herausforderung für mich als Direktor ist es jetzt, beide Projekte miteinander zu harmonisieren und die unterschiedlichen Beitrittsnationen in zahlreichen Einzelgesprächen für diesen gemeinsamen Ansatz zu gewinnen.

Herr Generalarzt, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Matthias Frank.


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Stand vom: 06.06.18 | Autor: Matthias Frank


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