Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Service > Nachrichten > Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie und Sanitätsdienst der Bundeswehr arbeiten künftig enger zusammen

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie und Sanitätsdienst der Bundeswehr arbeiten künftig enger zusammen

Koblenz, 16.06.2017.
Reibungslos ein Team zu bilden, um Verletzte nach einer Terrorattacke adäquat versorgen zu können, ist von unschätzbarem Wert. Deshalb haben der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Prof. Dr. Ingo Marzi, und der Inspekteur des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Dr. Michael Tempel, am 7. Juni eine Absichtserklärung unterschrieben, um künftig enger auf diesem Gebiet kooperieren zu können. Den gegenseitigen Nutzen dieser Kooperation erklären beide im Interview.

Generaloberstabsarzt Dr. Michael Tempel

Generaloberstabsarzt Dr. Michael Tempel (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Wie können Sie voneinander profitieren?

Generaloberstabsarzt Dr. Tempel: Der ausschlaggebende Profit auf beiden Seiten ist der, dass man sich kennenlernt, um im Fall der Fälle reibungslos ein Team bilden zu können. Dass die Bundeswehr aufgrund ihres Einsatzprofils leider mehr Erfahrungen mit bestimmten Verletzungsmustern, wie Schuss- oder Sprengverletzungen hat, und diese an die zivile Seite weitergeben kann, ist ein zusätzlicher Benefit.

Prof. Dr. Marzi: Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie betreibt das Traumanetzwerk in Deutschland mit dem Traumaregister, in dem alle Schwerverletzten erfasst werden, um anhand dieser Daten wissenschaftliche Studien und Auswertungen zu machen. Dieses Register ist nun auf Schuss- und Explosionsverletzungen erweitert worden, um auch der Bundeswehr mit den Auslandseinsätzen gerecht zu werden. Aufgrund dieser Veränderung kann die wissenschaftliche Expertise dieser Verletzungsmuster weitergegeben werden. Somit profitieren beide Seiten.

Werden Sie im Falle eines Terroraktes praktisch zusammenarbeiten?

Generaloberstabsarzt Dr. Tempel: Das versteht sich von selbst, denn ob im Falle eines Falles nun der Rettungswagen mit zivilem oder militärischem Personal besetzt ist, spielt überhaupt keine Rolle. Wichtig ist, dass man die gleiche Sprache spricht. Prinzipiell müssen aber in solch einem Fall alle mit anpacken, ob nun Zivilist oder Militär.

In den Gebieten, in denen es keine Bundeswehrärzte gibt, sind die zivilen Hilfskräfte auf sich allein gestellt?

Generaloberstabsarzt Dr. Tempel: Die Bundeswehr ist nicht das Allheilmittel. Die Verbreitung der zivilen Hilfskräfte, wie Feuerwehr und der zivilen Hilfsdienste, mit den durch zivile Kollegen besetzten Rettungswagen ist natürlich sehr viel größer. Wir sind auch nicht besser als zivile Rettungskräfte, sondern wir sind genauso gut und ergänzen uns sehr gewinnbringend.

Konnte der Sanitätsdienst schon einmal konkret helfen? Gibt es ein Beispiel hierfür?

Generaloberstabsarzt Dr. Tempel: Im letzten Jahr ist ein Terrorist mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt gefahren. Rettungskräfte des Bundeswehrkrankenhauses Berlin waren natürlich auch vor Ort. Hinzu kam die Besonderheit, dass zu diesem Zeitpunkt noch niemand sagen konnte, ob es sich um einen Einzeltäter handelt, oder ob mit weiteren Anschlägen zu rechnen ist. Auch wenn es sich bei den Verletzungsmustern nicht um Explosions- oder Schussverletzungen handelte, konnten wir unsere Expertise einbringen.

Prof. Dr. Ingo Marzi (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Ist das Interesse in der Ärzteschaft groß?

Prof. Dr. Marzi: Das Interesse in der Ärzteschaft ist sehr groß, wir haben in Frankfurt den ersten Terror and Desaster Surgery Kurs durchgeführt. Dieser wird bereits in sehr großem Maße nachgefragt. Das heißt für uns, dass wir uns Gedanken machen müssen, wie wir den Kurs personell aufstocken können.

Das Neue bei einem Terroranschlag ist wohl auch, dass man nicht weiß, ob es weitere Anschläge, beispielsweise auf die Hilfskräfte, gibt.

Generaloberstabsarzt Dr. Tempel: Wir haben in den Auslandseinsätzen gelernt, mit der Basisangst, vor Folgeanschlägen, die man als Helfer haben kann, um zu gehen. Das ist etwas, was die zivile Seite so nicht kennt, dennoch wollen wir zivile Hilfskräfte nicht zu Soldaten machen. Darum geht es ganz und gar nicht. Es geht darum, Wissen auszutauschen und enger zusammenzurücken. Letztlich zum Wohle der Menschen, die wir retten und schützen wollen, nämlich die Bürger dieses Staates.

Profitiert die Bundeswehr von der zivilen Infrastruktur?

Prof. Dr. Marzi: In die Infrastruktur der Traumanetzwerke war die Bundeswehr schon immer integriert. Die Bundeswehrkrankenhäuser sind nicht nur Teil dieses Netzwerkes, sondern bilden Traumazentren, die eng mit den zivilen Krankenhäusern zusammenarbeiten. Diese Expertise, die wir ja auch schon haben, möchten wir nun auf eine breitere Basis stellen. Das ist das Ziel.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 16.06.17 | Autor: Matthias Frank


http://www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de/portal/poc/sanitaetsdienst?uri=ci%3Abw.zsan.service.nachricht&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB080000000001%7CANDBKM361DIBR