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Medical Intelligence and Information (M2I) und Surveillance Kernfähigkeit des Gesundheitsschutzes im Einsatz

Das sicherheitspolitische Umfeld Deutschlands und die globale geopolitische Lage haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Deutschland beteiligt sich an einer multinationalen Sicherheitsvorsorge im In- und Ausland, im Rahmen der europäischen und transatlantischen Sicherheitsarchitektur aus UN, OSZE, NATO und EU. M2I bildet bei Einsatzplanung, -vorbereitung, -durchführung sowie -nachbereitung auf strategischer, operativer und taktischer Ebene eine Kernaufgabe des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Ziel ist es, dabei gesundheitlichen Risiken und Bedrohungen für beteiligte deutsche Soldaten wirkungsvoll begegnen zu können.

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Auftrag

Die Verfügbarkeit von M2I ist eine Grundvoraussetzung für die Minimierung von Gesundheitsrisiken deutscher Soldaten im Einsatz und trägt somit zu deren Überlebensfähigkeit und Schutz bei. Sie stellt eine wesentliche Fähigkeit für die militärische Auftragserfüllung im Einsatz und im Grundbetrieb dar und ist damit eines der zentralen Anliegen der Streitkräfte. Als streitkräftegemeinsame Querschnittsfähigkeit wird M2I federführend im Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr wahrgenommen und im Kommando Sanitätsdienst (Kdo SanDstBw) der Bundeswehr als Arbeitsbereich abgebildet. Kdo SanDstBw VI -2.2 sammelt medizinische Fachinformationen, bereitet sie einsatzspezifisch auf und stellt sie auf Anforderung (pull-Prinzip) sowie im Bedrohungsfall (push-Prinzip) dem Bedarfsträger zur Verfügung Die Produkte von Kdo SanDstBw VI 2.2 dienen als Planungsgrundlage für Einsätze und Erkundungen, um die Gesundheit der Soldaten vor, während und auch nach Einsätzen gemäß des „Force Health Protection“- Gedankens zu schützen. Diese Fachinformationen sind in ihrer Zusammenstellung und optischen Aufbereitung auch für medizinische Laien verständlich formuliert und fachlich zuverlässig. M2I beruht auf dem fähigkeitsorientierten und approbationsübergreifenden Zusammenwirken im Sanitätsdienst der Bundeswehr und pflegt einen Informationsverbund mit dem militärischen und zivil-militärischen Nachrichtenwesen.

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Organisation und Zusammenarbeit

Kdo SanDstBw VI 2.2 in München koordiniert und führt fachlich als Arbeitsstab des Bundesministeriums der Verteidigung sämtliche Aktivitäten auf dem Gebiet M2I. Kdo SanDstBw Unterabteilung VI - Präventivmedizin, vorbeugender Gesundheitsschutz, Gesundheitsförderung - ist damit der alleinige Ansprechpartner (Single Point of Contact) in der Bundeswehr für den Aufgabenbereich M2I.

M2I nutzt zeitgemäße Informationssysteme und entwickelt zusätzlich eigene, um Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zu gesundheitlichen Risiken für die Entscheidungsträger aller Ebenen unmittelbar verfügbar zu machen.

Das eigene Lagebild wird durch den Informationsaustausch mit entsprechenden Einrichtungen der Partner-Sanitätsdienste und anderer militärischer Dienststellen von Verbündeten und Partnern sowie geeigneten zivilen Fachinstituten, Dienststellen, Regierungs- und Nichtregierungs-Organisationen (GO/NGO) ergänzt. (z.B. national Robert-Koch-Institut (RKI), international Global Alert and Response Network (GOARN), WHO).

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Team

Die höchste Qualität der M2I Produkte resultiert aus dem Zusammenwirken von Personalverschiedenster Approbations- und Fachrichtungen. Diese stehen in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander und sind unter dem One Health Aspekt gebündelt.

Der Begriff „One Health“ bildet dabei einen ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatz ab, der die komplexen Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier, Umwelt und Gesundheit beschreibt, und die enge Zusammenarbeit der im öffentlichen Gesundheits- und Veterinärwesen tätigen Berufsgruppen erfordert. Bei Kdo SanDstBw VI-2 ist dieser multiprofessionelle Ansatz bereits täglich gelebte und erprobte Realität. Folgerichtig setzt sich das Referat VI-2 aus einem multiprofessionellen Team zusammen: Human- und Veterinärmediziner aus den Fachrichtungen Tropenmedizin, Dermatologie, Allgemeinmedizin, Mikrobiologie und öffentliches Veterinärwesen arbeiten eng zusammen mit Entomologen, Ethnologen, Gesundheitsaufsehern und Medizininformatikern bei der Erstellung von M2I Produkten sowie bei der Entwicklung verschiedenster Projekte. Ergänzt wird diese Bandbreite durch Fachpersonal für Krisen- und Risikokommunikation.

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Projekte

Eine weitere wichtige Säule des Gesundheitsschutzes im Einsatz ist die Surveillance der eigenen Population. Surveillance ist die fortlaufende systematische Sammlung, Analyse, Bewertung und Bereitstellung von Gesundheitsdaten – v.a. eigener Kräfte und im eigenen Bereich. Sie dient Planung, Durchführung und Bewertung von Maßnahmen zur Bekämpfung von übertragbaren und nicht übertragbaren Krankheiten und zur frühzeitigen Erkennung ungewöhnlicher Krankheitsereignisse. Auch ausgewählte Daten aus der Diagnostik der mikrobiologischen Einsatz- und Reach-back-Labore fließen mit ein. Im Rahmen der Risikoanalyse und Risikobewertung kann es zusätzlich erforderlich sein, gezielt Labordaten zu erheben. Diese laborgestützte Surveillance erfolgt u.a. zum Vorkommen von Infektionskrankheiten und -erregern. Dazu gehört auch die Feststellung einer Exposition gegenüber Infektionserregern bei eigenen Kräften, der Population eines Einsatzlandes oder in Überträger- Populationen und Reservoiren geographisch definierter Gebiete wie Feldlagerumgebung und Truppenübungsplätze.

Im Mai 2016 wurde das Sonderforschungsprojekt VISIT (Visitor and Immigrant Surveillance Information Tool) vom Kdo SanDstBw VI-2.2 als Frühwarnsystem für Krankheits-Ausbrüche in Flüchtlingspopulationen erarbeitet und implementiert dar. Hier wurde erstmalig (Mai-Dezember 2016, Bad Fallingbostel) und weltweit bisher einmalig die Patientendokumentation mit der anonymisierten Übermittlung von infektionskritischen Daten verknüpft. Ein ähnliches Syndrom basiertes Surveillance-Projekt für Einsatzgebiete der Bundeswehr, das Real Time Early Warning Surveillance Information and Support Tool (RESIST) befindet sich zur Zeit in der Pilotierungsphase. Als Basis für die Datenhaltung steht eine bereits aufgebaute Datenbank, das sogenannte Routine Analysis, Assessment and Publishing Medical lntelligence Tool (RAAPIT),zur Verfügung. Derzeit werden damit offene Daten im Bereich M2I strukturiert gesammelt.

Im Rahmen der NATO wird derzeit das Medical Information and Coordination System (MEDICS) entwickelt, das in der ersten Phase – inklusive Syndromic Surveillance – schrittweise bereits ab 2018 in Betrieb genommen werden soll. Das zweistufige MEDICS Konzept besteht aus den Anteilen Datengewinnung und Analyse. Es sieht vor, dass die beteiligten Nationen weiterhin die Hoheit der Datengewinnung behalten, aber ihre Daten sowie Analyseprodukte nach nationaler Maßgabe mit der NATO teilen. Die Deployment Health Surveillance Capability (DHSC) in München als Teil des Center of Excellence for Military Medicine der NATO in Budapest stellt dabei die Analysefähigkeit auf NATO Ebene und tauscht sich mit gegebenenfalls bestehenden nationalen Analysezentren aus.

Schaubild zu Syndrombasierter Surveillance: deutlich frühere Erkennung und Vermeidung von Krankheitsgeschehen. (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/MEDINT)Größere Abbildung anzeigen

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MEDINT Hotline

M2I stellt eine uneingeschränkte Ansprechbarkeit sicher, 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Diese Hotline wird in Kooperation mit dem Fachbereich Tropenmedizin des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg und der Abteilung für Innere Medizin des Bundeswehrkrankenhauses Berlin betrieben. Hier steht rund um die Uhr ein Experte für Fragen zur Prävention und die fachliche Beratung zu einsatzspezifischen Erkrankungen zur Verfügung. Regelmäßig führt das Dezernat M2I einsatzbezogene Briefings für sämtliche Bedarfsträger (beispielsweise auch für die Bundespolizei) durch.

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24 / 7 MEDINT Hotline

FspNBw: 90 - 6227 - 7575
Zivile Einwahl: 089 1249 - 7575

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Stand vom: 04.10.17 | Autor: Kdo SanDstBw


http://www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de/portal/poc/sanitaetsdienst?uri=ci%3Abw.zsan.medizin.medint