Sanitätsdienstliche Einsatzgrundsätze
Zentraler Auftrag des Sanitätsdienstes der Bundeswehr ist, die Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten zu schützen, zu erhalten und wiederherzustellen. Dies sowohl im Einsatz als auch in der Heimat.
Im Rahmen der Auslandseinsätze der Bundeswehr wird für die dort eingesetzten Soldaten eine sanitätsdienstliche Betreuung sichergestellt, die im Ergebnis einer Versorgung in Deutschland entspricht.
Um diese Versorgungsqualität zu gewährleisten, werden in Abhängigkeit von Auftrag und Risiko, Einsatzraum sowie Möglichkeiten zur multinationalen sanitätsdienstlichen Zusammenarbeit und medizinischen Kapazitäten des Einsatzlandes sanitätsdienstliche Fähigkeiten definiert.
Rettungskette
Die sanitätsdienstliche Versorgung verwundeter, unfallverletzter und erkrankter Soldaten bildet eine Behandlungskette, die den qualifizierten Verwundetentransport mit einbezieht. Ziel ist, die Gesundheit des Erkrankten oder Verwundeten wiederherzustellen. Gut ausgebildetes Fachpersonal einerseits, mobile und flexible Ausstattung andererseits steht zur Verfügung. Das Material wird modernen hygienischen und fachlichen Anforderungen gerecht.
Die Fähigkeit zur sanitätsdienstlichen Versorgung wird nach Maßgabe der in der Military Committee (MC) 326/2 sowie der Allied Joint Publication (AJP) 4.10 definierten Behandlungsebenen eins bis vier (NATO Role 1 bis 4) unterteilt.
Role 1: allgemein- und notfallmedizinische Erstversorgung
Folgende Komponenten stehen bereit:
- Rettungsstation (RS)
- Luftlanderettungsstation (LLRS)
- Schiffslazarettverbandplatz
Schwerpunkte der ersten Behandlungsstufe sind Sichtung, Schockbekämpfung, Blutstillung, das Freihalten der Atemwege sowie gegebenenfalls Schmerzbekämpfung und Beatmung.
Role 2: Erste notfallchirurgische Versorgung
Folgende Komponenten stehen bereit:
- Rettungszentrum, leicht (RZ, le)
- Luftlanderettungszentrum, leicht (LLRZ, le)
Dringliche chirurgische und internistische Versorgung
- Rettungszentrum (RZ)
- Luftlanderettungszentrum (LLRZ)
- Marineeinsatzrettungszentrum (MERZ)
Erste notfallchirurgische Versorgungen werden gewährleistet. Darüber hinaus wird die Transportfähigkeit für eine Verlegung in ein Einsatzlazarett hergestellt.
Role 3: Klinische Akutversorgung im Einsatz
Das Einsatzlazarett (EinsLaz) nimmt die dritte Behandlungsstufe ein. Patienten werden, wie in einem Krankenhaus ambulant und stationär fachärztlich versorgt. Allgemeinchirurgische, traumatologische und notfallmedizinische Maßnahmen in nahezu allen Fachbereichen können bis zur abschließenden Behandlung gewährleistet werden.
Role 4: Abschließende klinische Versorgung und Rehabilitation
In erster Linie stehen mit der vierten Behandlungsstufe Bundeswehrkrankenhäuser zur Verfügung. Es werden auch zivile Krankenhäuser genutzt und Rehabilitationseinrichtungen beansprucht.
Nach Rückführung des Patienten aus einem Einsatzgebiet erfolgen in diesen Einrichtungen alle notwendigen weitere medizinische Behandlungen und Therapien.
Grundsätzlich ist jede Versorgung eines verwundeten oder erkrankten Soldaten individuell. Verletzungsgrad und Krankheitsbild des Patienten sind bestimmende Größen für die handelnden Verantwortlichen. Die Sicherheitslage vor Ort ist beispielsweise ein zu berücksichtigender weiterer Faktor.
Strategic Air Medical Evacuation
Bei Bedarf wird der Patient der vierten Behandlungsebene (Role 4) zugeführt. Der Verwundetentransport vom Lazarett im Einsatzgebiet zu Einrichtungen der Behandlungsebene vier im Inland verbündeter Streitkräfte (Host Nation) oder nach Deutschland erfolgt in der Regel mit speziellen Luftfahrzeugen der Bundeswehr (Strategic Air Medical Evacuation = STRATAIRMEDEVAC).STRATAIRMEDEVAC wird grundsätzlich für alle Einsätze der Bundeswehr sichergestellt.

