Gelungener Schulterschluss
Lauingen, 07.12.2009.
Zum zweiten Mal hat das Sanitätskommando IV aus Bogen die traditionelle Weiterbildungsveranstaltung für die süddeutschen Reservesanitätsoffiziere in Lauingen veranstaltet. Insgesamt 120 Sanitätsoffiziere der Reserve und einige aktive Kameraden waren der Einladung des Kommandeurs, Generalarzt Dr. Frank Schindelhauer, zum 22. Dillinger Symposium in die Donaustadt gefolgt.
Die Themen schlugen einen Bogen von aktuellen Herausforderungen im Sanitätsdienst der Bundeswehr über die Einsatz- und Präventivmedizin sowie die komplexen Aufgaben der Katastrophenmedizin bei der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit in Deutschland bis hin zur Bedeutung der Reservisten.

Bedeutung des Symposiums
Schindelhauer wollte mit der Veranstaltung den Schulterschluss zu den aktiven Soldaten herstellen, „damit die Reserveoffiziere auch in der Lage leben können“ und verdeutlichte: „Sie merken das prägende Element ist der Einsatz. Das ist der Schwerpunkt unserer Tätigkeit.“ Weiter sagte er, „wir sind Dienstleister, die sich am Erfolgsprojekt der Gesundheit der Soldaten zu orientieren haben.“

Einsatzrelevanz
Oberfeldarzt Dr. Ziad Jurdi vom Einsatzführungskommando aus Potsdam beschrieb die aktuelle sanitätsdienstliche Lage in den Einsatzgebieten der Bundeswehr, wo der Sanitätsdienst als wesentlicher operativer Faktor wahrgenommen werde. Er unterstrich die Maxime, „dass den Soldaten im Fall der Fälle eine medizinische Versorgung zuteil wird, die im Ergebnis dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht.“
Detaillierter beleuchtet wurden Besonderheiten der sanitätsdienstlichen Versorgung in Afghanistan durch den Erfahrungsbericht von Oberstarzt Dr. Stephan Schoeps. „Unsere Sanitäter begleiten den abgesessenen Kampf als Teil von verschworenen Kampfgemeinschaften“, wobei sie sich nicht mehr auf das Schutzzeichen des Roten Kreuzes verliessen, das aufgrund von Nichtachtung durch den Gegner und auf Wunsch der Truppe übermalt worden sei, so der Kommandeur aus dem ostfriesischen Leer. Er machte klar, „Wir wehren uns unserer Haut und verteidigen unsere Patienten.“
Einsatzkompetenz
Oberfeldarzt Dr. Günter Frey vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm zeigte Unterschiede zwischen zivilem und militärischem Rettungseinsatz auf. Er leitete daraus die Forderung nach einer Einsatzkompetenz für den militärischen Rettungsdienst ab, die durch eine aufwändige Ausbildung und rechtliche Rahmenbedingungen zu erlangen sei.
Oberstarzt Roman Süß (Sanitätskommando IV) trug zur laufenden Einsatzplanung vor und verdeutlichte die Anforderungen an einsatzinteressierte Reservisten.
Einsatzbereitschaft
Oberfeldarzt Michael Spiesberger vom Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in informierte über „Medizinische Strategien zur Infektionsprophylaxe“ der Bundeswehr im weltweiten Einsatz.
41% aller Todesursachen weltweit seien auf Infektionskrankheiten zurückzuführen. Dadurch sei die Einsatzbereitschaft bedroht, aber mit vielfältigen Aktivitäten sei das Sanitätspersonal in den Einsatzländern erfolgreich.
Der Truppenpsychologe der Panzerbrigade 12, Oliver Krückel, referierte über die „psychische Belastungsfähigkeit von Soldaten im Einsatz“. Der einsatzerfahrene Reservist zeigte Belastungsfaktoren und Möglichkeiten zur Hilfe besonders belasteter Soldaten auf.

Zusammenarbeit
Oberstarzt d.R., Dr. Markus Vollmuth, informierte über die Weiterentwicklung der Konzeption für Reservisten im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Gefolgt von Oberstarzt d.R. Dr. Norbert Weber, der die Wehrübungserfahrungen seiner „Verstärkungsgruppe Klinik 4“ in Kempten schilderte.
Der ehemalige Kommandeur Lazarettregiment 41, Oberfeldarzt Dr. Wolfgang Kaiser, berichtete über die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz bei einem Pilotprojekt in Horb. Zahlreiche Rotkreuz-Mitarbeiter waren an zwei Tagen im September in den Aufbau und Betrieb einer militärischen, modularen Rettungsstation eingewiesen worden. Neugier und eine gute Atmosphäre hätten in einen gemeinsamen Erfahrungsbericht gemündet, der eine weitere Zusammenarbeit zum Ausdruck bringe.

Katastrophenschutz
Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn, Christoph Unger, stellte aktuelle Entwicklungen zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland bei Krisenlagen vor. Die Bundeswehr sei dabei „ein unverzichtbarer Teil des Bevölkerungsschutzes“, gehöre aber erst zur dritten Welle.
Oberst Johann Stadler, Kommandeur des Landeskommandos Bayern, ergänzte den regionalen Bezug des Katastrophenschutzes mit seiner Sachstandsdarstellung zum „Territorialen Netzwerk in Bayern“.


