Koblenzer Wissenschaftler forschen für Soldaten
Koblenz, 08.02.2010.
Am Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz erproben Wissenschaftler neue Ausrüstung und erforschen die Leistungsfähigkeit von Soldaten. „Trotz aller modernen Militärtechnik ist der Mensch immer noch der entscheidende Faktor“, erklärt Dr. Oliver Erley. Der Oberfeldarzt ist einer von sechs Wissenschaftlern in der Laborabteilung für Wehrmedizinische Ergonomie und Leistungsphysiologie

„Was nützt mir der beste ABC-Schutzanzug, wenn aufgrund der Hitze es kein Mensch darin länger als 15 Minuten aushalten kann“, beschreibt der Bekleidungsphysiologe Dr. Karl-Jochen Glitz eines der aktuellen Forschungsprojekte: Die Entwicklung eines Kühlverfahrens für isolierende Schutzbekleidung. „Dazu müssen wir genau wissen, wie der Mensch funktioniert“. Daher ähnelt die Forschungseinrichtung ein wenig einem futuristischem Fitnessstudio: Da steht z.B ein Laufband in einer Klimakammer, oder es gibt ein Gerät, das das Klettern auf einer Leiter simuliert. Dazwischen stehen Computer, die mit allen Geräten vernetzt sind.

Schlafmangel und Stress
Ebenso wie die physischen werden auch psycho-mentale Belastungen erforscht. Dazu stehen in dem Institut zwei Simulationskabinen. Auf einem Bildschirm sehen die Testpersonen etwa eine Fahrsimulation aus einem Einsatzland. Motorengeräusch dröhnt aus einem Lautsprecher. Ab und zu erscheinen bestimmte Symbole und die Reaktionsschnelle des Soldaten wird getestet. Die Besonderheit dieses Simulators: Eine Kamera verfolgt die Bewegung der Pupillen. Die Wissenschaftler können den Blick der Testperson verfolgen. „Wir erforschen hier das Beobachtungsverhalten, aber auch den Einfluss von Schlafmangel und Stressfaktoren auf die Konzentrationsfähigkeit“, so der Psychologe Dr. Alexander Witzki.

Auch im Gelände wird getestet
Doch die Forschungsarbeit beschränkt sich nicht nur auf die Räumlichkeiten des Instituts. „Wir waren bei der Erprobung des Rüstsatzes „Infanterist der Zukunft“ mit eingebunden“. Dazu wurden zahlreiche Test mit Gebirgsjägern im Gelände durchgeführt. „Die daraus gewonnen Erkenntnisse wurde letztlich bei der Beschaffung als Vorgaben vertraglich festgeschrieben“, so der Leistungsmediziner Dr. Ulrich Rohde. Auch war die Laborabteilung IV wesentlich bei der Entwicklung des neuen Basis-Fitness-Tests der Bundeswehr beteiligt. „Als Soldat muss man körperlich viel mehr können als nur laufen“. Nicht jeder vermeintlich guter Sportler sei auch gleich ein körperlich geeigneter Soldat, so Dr. Erley.



