Die 22 Millionen Akten von Andernach
Andernach, 25.01.2010.
In Andernach bei Koblenz steht das größte Archiv für Gesundheitsunterlagen Deutschlands. Im Institut für Wehrmedizinalstatistik und Berichtswesen der Bundeswehr werden die ärztlichen Unterlagen aller ehemaligen Soldaten, vom Rekruten bis zum General, archiviert.

„In Deutschland müssen ärztliche Aufzeichnungen mindestens zehn Jahre aufbewahrt werden“, erklärt Oberstarzt Dr. Matthias Baßler. Dies habe rechtliche Gründe, wie etwa die nachträgliche Aufklärung von Behandlungsfehlern. Er ist der Leiter des Instituts und Herr über ca. 800 Millionen Blatt Papier in ca. 22 Millionen Akten. „Wir bewahren die meisten Akten jedoch noch länger auf“, so der Sanitätsstabsoffizier. Die Akten werden, nach Geburtsjahrgängen geordnet, bis zum fiktiven 90. Lebensjahr aufbewahrt und danach vernichtet.

Alles auf Mikrofilm
Für jeden Soldaten wird während seiner Dienstzeit eine Gesundheitsakte geführt. Nach Ende der Dienstzeit werden diese nach Andernach geschickt: pro Jahr etwa 75.000. „Aus gesetzlichen und Platzgründen archivieren wir diese auf Mikrofilm“, erläutert Baßler. Durch die sehr lange Haltbarkeit der Mikrofilme wird die vorgegebene Archivierungsfrist erfüllt. Bis zu vierzig Zivilbeschäftigte bereiten die Akten so vor, dass sie von einem Hochgeschwindigkeitsscanner abgelichtet werden können. Eine von ihnen ist Monika Möller. „Die Akten samt Röntgenbildern müssen inhaltlich geprüft werden. Außerdem sind sie zu entklammern, zu reparieren und in die richtige Reihenfolge zu sortieren.“, so die zivile Angestellte, die seit fünf Jahren dort arbeitet. 160 Akten schafft so eine Arbeitnehmerin pro Woche. „Schöne Fingernägel haben wir hier alle nicht“, scherzt Möller.

8.000 Dokumente auf einer Rolle
Nach dem Scannen werden die Dokumente auf Mikrofilmrollen abgelichtet: pro Film etwa 8.000 Dokumente. Die fertigen Mikrofilme werden dann einer Qualitätssicherung unterzogen um zum Beispiel Doppeleinzüge oder technische Lesefehler beim Vorgang des Scannens festzustellen und zu beheben. Von diesen Mikrofilmen können dann später mit einem Lesegerät Kopien in Originalgröße gedruckt werden. Doch nicht alle Gesundheitsunterlagen werden auch verfilmt. So erhält das Institut auch jährlich etwa 450.000 Gesundheitsunterlagen aus dem Wehrersatzwesen und ca. 75.000 Patientenakten aus den Bw-Krankenhäusern, die im Original, zum Teil in der eigens dafür geschaffenen um die 3500 qm großen Archivhalle, in Andernach lagern.

Datenschutz hat höchste Priorität
So hält das Institut zur Zeit etwa 12 Millionen Gesundheitsunterlagen im Original und 10 Millionen auf Mikrofilm auskunftsbereit vor. Da die Unterlagen der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, werde auf die Sicherheit der Daten besonderes Augenmerk gelegt. So seien die über 160 zivilen und militärischen Angehörigen des Instituts besonders sicherheitsüberprüft und die Archivräume gesondert gesichert. „Das Thema Datenschutz genießt bei uns höchste Priorität“, so der Institutsleiter abschließend.

