332 Zahnärzte tagten in Damp
Damp, 22.01.2010.
Im 16 Kilometer nordöstlich von Eckernförde gelegenen Ostseebad Damp trafen sich vom 20. bis 22. Januar 2010 die Zahnärzte der Bundeswehr zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Mit 332 Teilnehmern verzeichneten der Veranstalter, die Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e.V. (DGWMP) und das Sanitätskommando I (SanKdo I) erneut einen Zuwachs im Vergleich zu 2009.

Nach der Eröffnung der von der DGWMP organisierten Dental- und Pharmaausstellung - die mit 38 offerierenden Firmen ebenfalls einen neuen Rekord aufstellte - durch Oberstarzt der Reserve Dr. Christoph Kathke vom Arbeitskreis Zahnmedizin der DGWMP leitete der Kommandeur des SanKdo I, Generalarzt Dr. Ulrich Pracht, die Arbeitstagung offiziell ein. „Die zahlreich und hochrangigen Vertreter der Standesorganisationen belegen die Bedeutung der Tagung“, begrüßte er die Teilnehmer der Gäste.
Der Sanitätsdienst befinde sich wegen zunehmender Vakanzen, Verlusten an zivilem Assistenzpersonal, Einsatzbelastungen und familienbedingten Abwesenheiten immer noch in einer schweren Phase, konstatierte der Kommandeur. Aber die Zahnarztgruppen sind noch gut aufgestellt und arbeiten gut, auch in der Weiterbildung und in der Führung der regionalen Sanitätseinrichtungen, wo der Zahnarzt immer öfter auch den Leiter vertritt.

Selbstvertrauen und Stolz
In der anschließenden Standortbestimmung für den Sanitätsdienst fand Generaloberstabsarzt Dr. Jürgen Blätzinger, der Befehlshaber des Sanitätsführungskommandos, klare und offene Worte. „Im Einsatz stehen wir hervorragend da, aber in der Heimat knirscht es.“ Er forderte die Offiziere auf, an den Diskussionen rund um die „Transformation der Streitkräfte zur gut gestylten Einsatzarmee“ engagiert und offen teil zu nehmen. „Mit der Autarkie des Sanitätsdienstes haben wir die richtige Antwort auf die Einsatzerfordernisse gegeben“, so der Befehlshaber weiter. Die große Einsatzexpertise sollte für mehr professionelle Gelassenheit, für mehr Selbstvertrauen und Stolz sorgen: „Es gibt keinen besseren militärischen Sanitätsdienst als den unseren.“
Gelebte Geschichte
Nach der ersten Kaffeepause und eingehenden Gesprächen mit den Ausstellern zur Vertiefung der Kenntnisse und Entwicklungen auf dem Markt wurde es historisch. Staatssekretär a.D. Werner E. Ablass schilderte aus seiner Sicht die Geschehnisse vor, während und nach dem Mauerfall bis zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. In bildlicher Sprache und mit persönlichen Worten riss der Beauftragte für Sonderaufgaben im Bereich der Bundeswehr in den neuen Ländern sein Publikum von der Revolution bis zur Einheit mit. „Wir haben es da mit dem Erinnern immer ein bisschen schwer“, sagte der ehemalige Leiter der Außenstelle des BMVg.

Wir sind ein Volk
Der ehemalige Spitzenkandidat des „Demokratischen Aufbruchs“ brachte mit Blick auf den Sommer ´89 zur Sprache, dass Honecker zur einer Operation musste, aber kein Nachfolger da war. Erst zur Leipziger Messe war Honecker gesundet, der Sommer 1989 hatte keine handlungsfähige DDR-Regierung gesehen. Und dann kam Gorbatschow zum 40. Geburtstag der DDR und wies darauf hin: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Als Helmut Kohl am 28.11.1989 seinen 10-Punkte-Plan verkündete, hatten die Menschen in der DDR sich schon entschieden: „Wir sind ein Volk!“, verkündeten die Bürger nicht nur in Leipzig, sondern überall im Lande.
Aber die Deutsche Einheit war kein Selbstläufer. Der Winter ´89/´90 drohte sehr hart zu werden, als auch noch zum Generalstreik aufgerufen wurde: zum Glück machte das Volk nicht mit. Die DDR war bei 400 Banken verschuldet, schlichtweg Pleite. Pro Tag verließen damals 2.000 bis 4.000 Menschen die DDR, meist jüngere und gut ausgebildete Menschen. Es gab ein friedliches Weihnachtsfest in Ost wie West, Waren im Wert von 5,4 Milliarden D-Mark wurden in die DDR versandt, auch gegenseitige Besuche fanden massenhaft statt. Dann wurde am 15.01. die Stasi-Zentrale gestürmt, aber quasi „kontrolliert“: Das Wachbataillon der Stasi steuerte hier mit.

Freie Wahlen
Die ersten freien Wahlen am 18.03.1990 standen nicht unter einem guten Stern für die Reformer. Bei einer Wahlbeteiligung von 92,4 Prozent wurde mit 48,6 Prozent für die Wende gestimmt. Innerhalb von nur drei Wochen wurde die neue Regierung mit fünf Parteien gebildet. Das Volk der DDR hatte derweil ein vordringliches Interesse: „Wie ist der Umtauschsatz? Eins zu sieben? Eins zu fünf? Oder gar eins zu drei?“ Seit 01.07.1990 bezahlte Bonn die Renten in der DDR, die gerade von 330 auf 495 Mark angehoben worden waren, gleichzeitig wurde die DDR assoziiertes Mitglied der EU. Finanzminister Theo Waigel hat dann 1,8 Milliarden Mark überwiesen, um die klammen Kasse in der DDR zu entlasten. Das Geld sollte nach Hochrechnungen bis Weihnachten noch reichen, die Reserven waren aufgebraucht. De Maiziere bat Kohl um eine frühere Wiedervereinigung und unter Berücksichtigung sämtlicher Rahmenbedingungen einigten man sich auf Mittwoch, den 3. Oktober 1990.
Ablass wies darauf hin, dass in 2010 die Deutsche Einheit den 20. Geburtstag feiert. Es gäbe noch viel zu tun, aber „in der Bundeswehr sind wir weiter als in anderen Bereichen.“ Dennoch solle niemand hingehen, und die Lebensleistung von 16 Millionen Einzelnen kollektiv absprechen, das sorge für Ostalgie.

Wissenschaftlicher Teil
Flottenarzt Dr. Hellfried Bieber begrüßte am zweiten Tag alle Gäste und Teilnehmer und bedankte sich für das große Engagement der Zahnärzte auch im Bereich der Dental Fitness. „Fahren wir also darin fort, unseren Auftrag im konstruktiven Dialog zu erfüllen“, forderte Dr. Bieber die Zahnärzte auf.

Der Inspizient
Mit dem Dank an die Zahnärzte für ihre Leistungen des Inspizienten der Zahnmedizin der Bundeswehr, Admiralarzt Dr. Wolfgang Barth, ging es weiter. Der Dienst gestaltet sich nicht immer einfach, darf und soll dennoch Freude machen. Die Grundlage für die Verbesserung der materiellen Ausstattung ist gelegt und wartet auf ministerielle Billigung. Die Vergabe von zertifizierten Anerkennungen wird angestrebt beziehungsweise ausgeweitet.
Zahnärztliche Fortbildung
Der Fortbildungsteil wurde eröffnet von Professor Dr. Michael Noack, Direktor der Klinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität Köln. Unter der Überschrift „Neues aus der Zahnerhaltung und was kann ich im Alltag umsetzen?“ präsentierte Professor Noack ein Update zur Behandlung von kariösen Defekten, eine Übersicht über Fast-Track-Füllungssysteme, sowie Möglichkeiten der Therapie von Wurzelkaries insbesondere bei Parodontitispatienten.
Professor Dr. Ralph Luthardt, Direktor des Departments für Zahnerhaltung der Klinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Ulm und Oberfeldarzt Professor Dr. Dr. Alexander Schramm, Leitender Arzt Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie Abteilung VII b am Bundeswerkrankenhaus Ulm, fesselten das Auditorium als Vortragduo. Ihre Präsentationen „Prothetik und Chirurgie im Dialog“ gaben plastische Einsichten in Indikationen zu Implantatversorgungen, in Techniken und Notwendigkeiten von Navigation und der Anwendung von Schablonen, in auftretende Probleme und ausgewählte Falldarstellungen implantat-prothetischer Konzepte.
Professor Dr. Bernd Klaiber, Direktor der Poliklinik Zahnerhaltung und Parodontologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zeigte in seinem Vortrag „Grundregeln der Ästhetik und ihre Realisation mit Komposit“, wie scheinbar geringfügige Änderungen von Morphologie und Ausrichtung von Frontzähnen zu tiefgreifenden Veränderungen im gesamten ästhetischen Erscheinungsbild führen können.
Traditionell veranstaltete der Arbeitskreis Zahnmedizin der Deutschen Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie den Kameradschaftsabend. Wie in den vergangenen Jahren erfreute sich diese Veranstaltung großer Resonanz. Die Teilnehmer füllten den Festsaal bis auf den letzten Platz und nutzten die Gelegenheit zum Wiedersehen und Kennenlernen.
Die nächste Tagung ist vom 19. bis 21. Januar 2011 geplant.
Bilder
Dr. Peter Engel stellt die politischen Kernziele der Bundesz … (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Conrad)
Größere Abbildung anzeigenOberstarzt der Reserve Dr. Rainer Jekel forderte die Politik … (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Conrad)
Größere Abbildung anzeigenDr. Jürgen Fedderwitz wies darauf hin, dass die Zahnärzte im … (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Conrad)
Größere Abbildung anzeigenDr. K.Ulrich Rubehn, der neue Präsident der Zahnärztekammer … (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Conrad)
Größere Abbildung anzeigenDr. Peter Kriett nennt den aktuellen Zustand in der Gesundhe … (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Conrad)
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