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Einsatz in Afghanistan: Erfahrungen eines Arztes

Germersheim/ Kunduz, 10.03.2010.
Dr. Hans-Christian Safar war 2009 als Arzt als Teil der Quick Reaction Force (QRF) in Afghanistan eingesetzt. Verstärken, sichern, eskortieren - das sind die Aufgaben der QRF, Feindberührung nicht ausgeschlossen. Die QRF ist immer mit einem Beweglichen Arzttrupp (BAT) unterwegs, um auf Verwundungen oder Verletzungen schnell reagieren zu können.

Das Aufgabenspektrum in Afghanistan ist vielfältig
Dr. Safar bei einer Lehrübung (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Teil einer QRF war der Leiter des Sanitätszentrums Germersheim bis dato noch nicht. Naturgemäß machte er sich deshalb Sorgen, denn „es war klar, dass wir als Angehörige der QRF gewissen Gefahren ausgesetzt sein würden“ Er konzentrierte sich in dieser Phase ganz auf seine Aufgabe, um sich Ablenkung zu verschaffen. Auch seine Familie spielte für den 41-jährigen vor und während des Einsatzes eine wichtige Rolle. „Ich muss vor meiner Frau den Hut ziehen. Sie hat mir den Rücken freigehalten“, erzählt der Vater von drei Kindern. Schließlich musste seine Frau fünf Monate lang alleine die Kinder versorgen.

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Der Salang Pass (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Salang-Pass

Das Aufgabenspektrum in Afghanistan ist vielfältig: Einmal wurde die Einsatzgruppe eingesetzt, um Teile der afghanischen Armee in den Norden zu eskortieren. Dabei mussten sie den Salang-Pass überqueren, eine besonders heikle Aufgabe, denn er ist der höchste Pass Afghanistans und die einzige Verbindung zwischen der Hauptstadt Kabul und dem Norden.

Mehr als 200 Fahrzeuge waren zu einer kilometerlangen Marschkolonne zusammengefasst, die ein anfälliges Ziel bot. Anschläge gab es nicht, aber auch so war die Fahrt auf der engen und unübersichtlichen Bergstraße anspruchsvoll. „Unfälle und in der Folge Autowracks am Straßenrand sind keine Seltenheit“, so Dr. Safar.

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Nachts wird biwakiert (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Als Mediziner absichern

BAT und QRF sind immer zusammen unterwegs. Dadurch ergeben sich besondere Situationen, auch in Bezug auf die Eigensicherung: „Der Arzttrupp wird in das tägliche Arbeitsgeschäft eingebunden“, erklärt der Arzt. Als Beispiel führt er die Sicherung nachts im Feld an. Dann geht es darum, den gesamten Bereich um das Nachtlager zu überblicken. Die Fahrzeuge bilden einen schützenden Ring um die Zelte, in denen alle schlafen. Zum Sichern werden alle eingeteilt: „Selbst der Arzt steht zu bestimmten Zeiten am Maschinengewehr.“

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Splitter einer Panzerfaust (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Unter Beschuss

Eines Nachts, als sie im Feld übernachtet haben, wurden sie beschossen. Völlig unerwartet explodierte etwas – danach ging alles ganz schnell: Man ging in Deckung und bereitete sich auf einen Angriff vor. Letztlich lief die Situation aber glimpflich ab.
Aufständische hatten von einem nahen Hügel Panzerabwehrraketen auf das Nachtlager gefeuert. Niemand wurde verletzt. Am nächsten Tag fand man in der Umgebung Splitter einer Panzerfaust. Oberfeldarzt Dr. Safar und der Charlie-Zug hatten viel Glück. Nach dem Angriff liefen kleine Selbsthilfemaßnahmen ab: Man setzte sich zusammen und hat den Verlauf der Ereignisse besprochen. Dazu sagt der Mediziner: „Jeder hat aus seiner Warte berichtet. Das hat geholfen, die Situation zu verarbeiten.“ Mit der Familie daheim reden konnten sie jedoch nicht. Mobilfunkgespräche hätten die Operation gefährdet. Die Familien zu Hause machen sich bei jeder Nachricht Sorgen. Das wissen die Soldatinnen und Soldaten, und es zehrt an den Nerven nicht sagen zu können, dass es ihnen gut geht.

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Wertvolle Erfahrung

Mit diesen Erfahrungen ist Oberfeldarzt Dr. Hans-Christian Safar eine wichtige Säule im normalen Betrieb seiner Einheit. Das Luftwaffenausbildungsregiment in Germersheim bildet Soldatinnen und Soldaten für Einsätze aus. Auch der Oberfeldarzt gibt sein Wissen an die 6300 Teilnehmer weiter, die jährlich ausgebildet werden. „Insofern sind einsatzerfahrene Ärzte wichtig, um authentisch auftreten, und ein realistisches Bild zeichnen zu können.“ Es war für den Oberfeldarzt der siebte Auslandseinsatz.

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Stand vom: 26.03.2010 | Autor:

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