Fragen an die Fotojournalistin Veronika Picmanova
Diez, 04.08.2010.
Wie sind Sie zu ISAF und Ihrer Arbeit in Afghanistan gekommen?
Zuerst habe ich eineinhalb Jahre für die Deutsche Welle Akademie beim staatlichen Fernsehsender RTA (Radio Television Afghanistan) Techniker in Kabul ausgebildet. Wir führten die ersten internationalen Nachrichten nach dem Fall der Taliban ein.
Nachdem das Projekt erfolgreich abgeschlossen war, wollte ich Afghanistan nochmal aus einer anderen Perspektive erleben und habe mich bei der ISAF beworben. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde auch ein Leiter des Medienteams in Mazar-e Sharif gesucht. Ich bekam den Vertrag und fing zwei Monate später als Forward Media Team Leader für die ISAF in Mazar-e Sharif an.
Wie hat in dieser Zeit ein typischer Arbeitstag ausgesehen?
Den gab es so nicht, da jeder Tag ein bisschen anders aussah, aber ich will es mal versuchen:
6.30 Uhr Aufstehen. Das obligatorische Morgenmeeting im Camp, danach Treffen mit meinen zwei afghanischen Journalisten für Radio und Print für Sada-e Azadi ( = Stimme der Freiheit - produziert von ISAF für das afghanische Volk).
Recherche in unserem Minibüro. Wir teilten uns einen Container mit zwei weiteren afghanischen Mitarbeitern. Je nach Thema fuhren wir zivil alle drei zusammen oder ein afghanischer Journalist auch alleine zum Geschehen, um vor Ort Meinungen einzufangen. Das kann man auch als Training on the job bezeichnen.
Berichteten wir über die Aktivitäten der ISAF, waren wir ebenfalls mit auf dem ISAF Konvoi. Manchmal fuhr ich allerdings auch alleine mit. Abhängig vom Thema waren wir zwischen vier Stunden und vier Tagen unterwegs. Zurück im Camp wurden die Beiträge / Artikel fertig gestellt und nach Kabul ins Hauptquartier geschickt.
Als zivile Mitarbeiter hatten wir den Vorteil, uns relativ frei bewegen zu können. Wir konnten in unserer Freizeit das Camp verlassen, ohne uns durch den Dschungel an Vorschriften und Restriktionen kämpfen zu müssen. Somit hatte ich immer einen ganz anderen und vor allem näheren Zugang zu den Menschen und ihren Geschichten.

Welche Berührungspunkte hatten Sie mit den OMLT Soldaten?
Ich war auf vielen Einsätzen vor allem den Medical Civilian Aid Programme (MED CAP) dabei. Der längste Einsatz war eine Dreitagesfahrt von Mazar-e-Sharif nach Maymaneh, in der Nähe fand ein weiteres MED CAP statt, und wieder zurück. So hatte ich die Möglichkeit sowohl die OMLT Arbeit als auch deren Resultat, nämlich die ersten ausgebildeten Sanitäter der Afghan National Army (ANA), live miterleben und dokumentieren zu können. Ebenfalls bekommt man auch die Anstrengungen, Schwierigkeiten, Ängste, Sorgen aber auch Freude der OMLT Soldaten mit. Sie unterscheiden sich nicht so groß von den eigenen. Ist auch klar, wir saßen ja schliesslich alle in einem Campbeziehungsweise in einem Fuchs.
Was fasziniert Sie an Afghanistan?
In erster Linie die Menschen. So viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft findet man selten. (Natürlich zählt das nicht für alle Bewohner, es gibt auch solche, denen man besser aus dem Weg gehen sollte). Ebenso faszinierend finde ich, wie die Menschen mit all den (auch persönlichen) Schicksalsschlägen ihren Alltag „gelassen“ meistern.
In zweiter Linie die Landschaft. Afghanistan hat auch neben der meist kargen Landschaft auch traumhafte Orte wie zum Beispiel die Band-Amir Seen, das Panjir Tal oder den Salang Pass.
Warum sind Sie Fotografin geworden?
Weil für mich Bilder mehr ausdrücken als Worte.
Wie entsteht ein gutes Bild?
Mit Passion. Ohne Leidenschaft gibt es keine guten Bilder.

