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Im Dienste der Menschlichkeit: Bundeswehrärzte behandeln ehrenamtlich Flüchtlinge

Koblenz, 22.01.2016.
Patientensprechstunde in der Flüchtlingsunterkunft in Koblenz-Asterstein: Oberstabsarzt (OSA) Annelie Schmidt (30) behandelt Flüchtlinge in ehrenamtlichen abendlichen Sprechstunden. Im Wechsel mit Arztkolleginnen und -kollegen aus Koblenz hilft die Unfallchirurgin der Bundeswehr in ihrer Freizeit den Flüchtlingen, die medizinische Hilfe benötigen. Derzeit bietet die Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Koblenz-Asterstein 160 von ihnen eine Notunterkunft in der “Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AFA)“.

Anamnese und Diagnose: Untersuchung des Mundraumes

Anamnese und Diagnose: Untersuchung des Mundraumes (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Bock)Größere Abbildung anzeigen

„Bitte öffnen Sie den Mund weit“, sagt Schmidt zu dem Patienten aus Syrien. Der Mann klagt über Schmerzen im Mund, seine Lymphknoten sind geschwollen. Die Ärztin untersucht den Mundraum, tastet die Lymphknoten am Hals ab. Die Diagnose: „Die Schmerzen kommen von einem entzündeten Zahn. „Ich gebe Ihnen ein Schmerzmittel mit“, sagt die Ärztin. Zina Hasson, die ehrenamtliche Übersetzerin, übersetzt Schmidt‘s Diagnose auf Arabisch. Sie ist ebenfalls angehende Ärztin im Anerkennungsjahr. Der Mann erhält schnellstmöglich einen Zahnarzttermin. Die Patientenkartei führt Schmidt handschriftlich selbst.

Untersuchung: Patient Mahmud leidet an chronischen Kopfschmerzen

Untersuchung: Patient Mahmud leidet an chronischen Kopfschmerzen (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Bock)Größere Abbildung anzeigen

Mit einfachen Mitteln helfen

In der Sprechstunde legt Schmidt Verbände an Kinderhände, behandelt Schuppenflechte, Akne und Erkältungskrankheiten, verabreicht Salben und Tabletten. Ein Junge klagt über Kopfschmerzen. Die Diagnose: „Eine kleine Flasche Wasser alle zwei Tage ist viel zu wenig“. Schmidt erklärt der Mutter und dem Jungen, wieviel Wasser er täglich trinken muss.

Hauptberuflich behandelt und versorgt die junge Ärztin Patienten im Bundeswehrzentralkrankenhaus (BwZKrhs) in Koblenz in der Unfallchirurgie. An manchen Abenden fährt sie jedoch direkt nach dem Dienst im Krankenhaus ins Lager, um den notleidenden Flüchtlingen dort medizinisch zu helfen. „Wir behandeln alle Krankheitsbilder, welche in einer Hausarztpraxis auch behandelt werden. Bei der Bundeswehr habe ich in meinen Auslandseinsätzen auch gelernt, mit einfachen Mitteln und Möglichkeiten zu helfen“, sagt sie. Wichtig sei, dass die Patienten merken, dass ihnen geholfen wird, eben dass sich jemand um sie kümmert, erklärt sie.
Ungefähr zehn Ärzte aus Koblenz und Umgebung sind derzeit im Flüchtlingslager Koblenz-Asterstein ehrenamtlich tätig. Unter ihnen auch drei Bundeswehrärzte aus dem Koblenzer BwZKrhs. „Ein Kollege hat mich gefragt, ob ich mitmache; so kam ich dazu“, erzählt Schmidt. Die Landesärztekammer und Bezirksärztekammer hatte einen Aufruf an approbierte Humanmediziner gestartet, welchem die Mediziner gefolgt waren.

Patientenversorgung für Flüchtlinge in Koblenz-Asterstein

Patientenversorgung für Flüchtlinge in Koblenz-Asterstein (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Bock)Größere Abbildung anzeigen

Ärztliche Versorgung funktioniert in Koblenz

„Maßgebliche Hilfe wird auch in Kliniken und Praxen in Koblenz erbracht, wenn die einfachen Mittel bei uns nicht ausreichen“, erklärt Dr. med. Claudia Tamm vom Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Koblenz. „Die Flüchtlinge kommen zum Großteil aus Syrien und aus Afghanistan. Einzelne auch aus dem Irak, Somalia, Pakistan, Eritrea und Zentralafrika. Ein Drittel der Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren“, sagt Tamm. Sie hilft an fünf Tagen in der Woche ehrenamtlich und ist bei den Flüchtlingen bekannt und sehr beliebt.

Untersuchung im Rahmen der Flüchtlingssprechstunde

Untersuchung im Rahmen der Flüchtlingssprechstunde (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Bock)Größere Abbildung anzeigen

Humanmedizin ist menschlich

Das Berufsethos als Arzt verlangt ein Leben im Dienst der Menschlichkeit. Alle Menschen benötigen ärztliche Hilfe, unabhängig von ethnischer Herkunft, Staatsangehörigkeit, Glaube oder anderer Faktoren. “Ich will helfen. Das mache ich gerne, deswegen bin ich Ärztin geworden“, sagt Annelie Schmidt.

Gemeinsam mit ihren freiwilligen und ehrenamtlichen Arztkollegen und vielen Helfern versucht sie, den Menschen zu helfen, einen Neuanfang abseits von Krieg und Elend zu ermöglichen.


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Stand vom: 24.02.16 | Autor: Uli Reinecke


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