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Wie funktioniert Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Allgäu?

Kempten, 20.01.2010.
Offiziere der Kreisverbindungskommandos im Allgäu und des Fachsanitätszentrums Kempten haben sich gegenseitig über die Struktur, Aufgaben und Ziele auf dem Gebiet der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit und des Sanitätsdienstes im Kemptener Soldatenheim informiert.

Es begann an einem Montag im August 2005 – nach tagelangem Regen treten die Gewässer im Allgäu über die Ufer, die Iller in Kempten erreicht einen historischen Pegel, das Wasser steht sprichwörtlich „Oberkante Unterlippe”. Bauernhöfe in Flussnähe sind von Wasser eingeschlossen, dorthin kommt kein handelsübliches Fahrzeug mehr. Der eingerichtete Krisenstab der Stadt und des Landkreises Oberallgäu wendet sich an die Bundeswehreinheiten vor Ort und beantragt Hilfe.

Und diese Hilfe kommt unverzüglich, denn die Bundeswehr besitzt das, was jetzt gebraucht wird: Schweres Gerät, Spezialfahrzeuge, Frauen und Männer, die Sandsäcke befüllen, ans Ufer der Iller fahren und dort aufstapeln.

Dieses Szenario ist zwar bereits einige Jahre her, aber niemand kann vorhersagen, wann eine ähnliche Notlage für die Bevölkerung hier im Allgäu wieder eintritt.

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Auch der Leiter des Gesundheitsamtes Oberallgäu, Dr. Alfred Glocker (2. v. r.), nahm an der Informationsveranstaltung teil

Auch der Leiter des Gesundheitsamtes Oberallgäu, Dr. Alfred Glocker (2. v. r.), nahm an der Informationsveranstaltung teil (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Gamberger/Dr. Tobias Gamberger)

Einladung zum Informationsaustausch

Um so wichtiger ist es daher, die Strukturen kennen zu lernen, die die Bundeswehr für derartige Katastrophen geschaffen hat und die in den vergangenen drei Jahren neu konzipiert wurden.

Das Landeskommando Bayern hat zu einer gemeinsamen Informations- und Weiterbildungsveranstaltung für den Raum Allgäu eingeladen. „Man muss sich vor einer Katastrophe kennen, um in einer Katastrophe vertrauensvoll zusammen arbeiten zu können”, so der Leiter des Fachsanitätszentrums Kempten, Flottenarzt Dr. Frank Bertling, in seiner Begrüßung. Von Seiten des Landkreises Oberallgäu nahm an der Veranstaltung Dr. Alfred Glocker, der Leiter des Gesundheitsamtes, teil. Weitere, insgesamt elf, aktive Soldaten und Reservisten hieß Oberstleutnant Paul Blanken, Beauftragter der Bundeswehr für Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Landkreis Oberallgäu, im Kemptener Soldatenheim Haus Hochland willkommen.

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Flottenarzt Dr. Frank Bertling (r.) informiert die Teilnehmer über das Fachsanitätszentrum Kempten

Flottenarzt Dr. Frank Bertling (r.) informiert die Teilnehmer über das Fachsanitätszentrum Kempten (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Gamberger/Dr. Tobias Gamberger)

Vorstellung Fachsanitätszentrum Kempten

Zu Beginn wurden die jeweiligen Bereiche und Zuständigkeiten aufgezeigt. Als Dienststellenleiter erläuterte Flottenarzt Bertling die Strukturen der sanitätsdienstlichen Versorgung im Allgäu, die personelle und materielle Ausstattung seiner Dienststelle und informierte über aktuelle Entwicklungen im Sanitätsdienst der Bundeswehr, speziell über die Situation im Allgäu.

Das Fachsanitätszentrum Kempten ist für die truppenärztliche und standortärztliche Versorgung weiter Teile des Allgäus zuständig und versorgt darüber hinaus mit den Gebietsärzten einen großen Bereich von Bad Reichenhall im Osten bis zum Bodensee und Oberschwaben im Westen.

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Oberstleutnant Paul Blanken erklärt die Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Allgäu

Oberstleutnant Paul Blanken erklärt die Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Allgäu (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Gamberger/Dr. Tobias Gamberger)

Struktur der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit

Oberstleutnant Blanken zeigte auf, wie sich nach Aufstellung des Landeskommandos Bayern vor knapp drei Jahren die Strukturen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit entwickelt haben. Jeder der sieben Bezirke in Bayern unterhält ein Bezirksverbindungskommando (BVK).

Das für Schwaben zuständige BVK befindet sich in Augsburg und ist den auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte ausgefächerten Kreisverbindungskommandos (KVK) übergeordnet. Je KVK sind zwölf Offiziere und Unteroffiziere im Reservistenstatus eingesetzt, der Leiter eines KVK trägt den Rang eines Majors oder Oberstleutnants.

Jedem KVK ist ein in Notfall- und Katastrophenmedizin erfahrener Sanitätsstabsoffizier, ebenfalls Reservist, als Berater und Koordinator in sanitätsdienstlichen Fragestellungen zugeteilt. „Die BVKs und KVKs sind nicht nur etabliert, sondern haben sich auch bewährt”, so Blanken, denn „der Vorteil der neuen Struktur liegt klar auf der Hand: Bei Unglücksfällen oder Katastrophen im jeweiligen lokalen und regionalen Bereich ist das entsprechende KVK bereits bei Aktivierung des Krisenstabes mit dabei.”

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Oberst der Reserve Fried Strömer (Leiter BVK Schwaben), Major der Reserve Herbert Heinle (KVK Unterallgäu), Oberstleutnant Paul Blanken (Leiter der Regionalen Planung- und Unterstützungstrupps Oberbayern und Schwaben, gleichzeitig KVK Oberallgäu) (v.l.n.r.)

Oberst der Reserve Fried Strömer (Leiter BVK Schwaben), Major der Reserve Herbert Heinle (KVK Unterallgäu), Oberstleutnant Paul Blanken (Leiter der Regionalen Planung- und Unterstü … (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Gamberger/Dr. Tobias Gamberger)

Allgäu vorbildlich

Damit ist für den Schutz der Bevölkerung eine rasche und zielgerichtete Hilfe und Unterstützung durch die Bundeswehr möglich. „Nach dem Subsidiaritätsprinzip, also auf Anforderung, können so unmittelbar materielle und personelle Leistungen der Bundeswehr abgerufen werden. Die Krisenstäbe wissen so sehr schnell, welche Möglichkeiten von unserer Seite gegeben sind”, betonte der Oberstleutnant. „Und gerade im Allgäu funktioniert die Zusammenarbeit mit der zivilen Seite, ob Landkreis, ziviles Gesundheitswesen oder Feuerwehr sehr gut”, unterstrich Oberst der Reserve Fried Strömer, der Leiter des BVK Schwaben und bedankte sich beim Leiter des Gesundheitsamtes Oberallgäu für dessen Teilnahme.

Reger gegenseitiger Austausch und zahlreiche Fragen machten die Veranstaltung ausgesprochen informativ. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass gerade das Allgäu bei möglichen Katastrophenfällen durch die hier stationierte Truppe, ob in Füssen mit schwerem Gerät oder in Kempten mit dem Sanitätsdienst, für den Fall der Fälle gut gewappnet sei. Somit stand das Treffen, das nicht das Einzige seiner Art bleiben wird, ganz unter dem Motto des Landeskommandos Bayern: „Verbindung halten – Brücken bauen – Kontakte knüpfen”.

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Stand vom: 02.12.13 | Autor: 


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