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Der Roboter assistiert, der Arzt operiert

Ulm, 02.03.2016.
Lange hat man ihn geprüft und seine Arbeit analysiert. Jetzt wird er groß präsentiert: am Bundeswehrkrankenhaus Ulm stellen Urologen und Chirurgen das weltweit modernste Robotersystem für operative Eingriffe vor. Der „da Vinci Xi“ ist einer von nur fünf derzeit in Deutschland existierenden OP-Robotern der neuesten Generation.

OP-Robotern der neuesten Generation, der „da Vinci Xi“

OP-Robotern der neuesten Generation, der „da Vinci Xi“ (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Thierbach)Größere Abbildung anzeigen

„Es ist ein echter Qualitätssprung im Vergleich zum Vorgängermodell. Durch ein zusätzliches Gelenk in jedem der vier Arme wird die Beweglichkeit dramatisch verbessert. Das kommt dem Patienten ebenso zugute wie dem Operateur“, stellt Oberfeldarzt Dr. Andreas Martinschek klar. Der Urologe ist einer der Initiatoren der „Robotic“ in der Bundeswehr und räumt sofort mit dem größten Missverständnis in Sachen OP-Roboter auf. „Operiert wird der Patient nach wie vor von einem erfahrenen Arzt. Der Roboter assistiert, er erleichtert und verbessert. Aber die Entscheidungen trifft alleine der Mensch.“

Instrumente des OP-Roboters „da Vinci Xi“

Instrumente des OP-Roboters „da Vinci Xi“ (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Singer)Größere Abbildung anzeigen

Vier kleine Schnitte

Üblicherweise müssen die Operateure für Eingriffe am Unterleib oder im Bauchraum einen vergleichsweise großen Schnitt in den Körper machen. Das ist mit dem Roboter anders. Hier genügen mehrere kleine, weniger als einen Zentimeter, lange Schnitte. Durch die werden die stabförmigen Instrumente geschoben. An der Spitze eines der Arme sitzt eine 3D-Kamera. Damit sieht der Operateur im Körper des Patienten genau, wo er sich mit seinen Instrumenten befindet. Mit einem Gas, zumeist Kohlendioxid, wird der Bauchraum aufgebläht, um optimale Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

Sofort am Patienten

Der Operateur sitzt an einer Konsole, wenige Meter vom Patienten entfernt, und bedient drei Instrumente und die Kamera mit zwei Fußpedalen und zwei Manipulatoren. Damit kann der Arzt in einer entspannten Körperhaltung frei arbeiten, wäre aber in wenigen Sekunden am Patienten, sollte es erforderlich sein. Dank einer zweiten Bedienerkonsole können in Ulm zwei Operateure gleichzeitig oder abwechselnd arbeiten, was die Effizienz des Roboters bei Bedarf weiter erhöht.

Oberfeldarzt Dr. Hartmut Dippel

Oberfeldarzt Dr. Hartmut Dippel (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Singer)Größere Abbildung anzeigen

Roboterassistierte Operation

„Es sind insbesondere die engen und schwer zugänglichen Ecken im menschlichen Körper, wo unser OP-Roboter die größten Verbesserungen bringt.“ Oberfeldarzt Dr. Hartmut Dippel, Viszeralchirurg am Ulmer Bundeswehrkrankenhaus, freut sich auf die Zukunft mit dem neuen Kollegen im OP: „Die roboterassistierte Operation stellt die Zukunft der minimalinvasiven Chirurgie dar und wird die offene Chirurgie zu einem großen Teil ablösen. Diese Operationstechnik vereinbart die Vorteile der offenen und laparoskopischen Operation auf einem bisher nicht gekannten Niveau“, so Dippel.

Blutarme Operationen

Blick in die Bedienkonsole des OP-Roboters

Blick in die Bedienkonsole des OP-Roboters (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Singer)Größere Abbildung anzeigen

Die technische Überlegenheit durch die dreidimensionale Sicht, die Möglichkeit zur Bildvergrößerung, die gesteigerte Auflösung des Bildes und die Freiheitsgrade der Instrumente kommen dem Patienten unmittelbar zu Gute. Durch die nervenschonende und blutarme Operationsmöglichkeit profitiert der Patient nicht nur bei Eingriffen an der Prostata und dem Rektum, da es hier besonders eng und schwer zugänglich ist. Auch bei Operationen an der Niere, der Nebenniere, am gesamten Darm, am Magen, an der Gallenblase und bei Hernien. „Besonders bei Niereneingriffen mit dem Roboter lässt sich durch einen speziellen Fluoreszenzfarbstoff, der am Bildschirm sichtbar wird, die oftmals schwierige Durchblutungssituation klären“, fügt der Ulmer Urologe Oberfeldarzt Dr. Karl von Dobschütz hinzu.

Oberstarzt Prof. Dr. Christoph Sparwasser, Abteilungsleiter Urologie

Oberstarzt Prof. Dr. Christoph Sparwasser, Abteilungsleiter Urologie (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Singer)Größere Abbildung anzeigen

Leistungsfähig und zuverlässig

Für den Abteilungsleiter Urologie, Oberstarzt Prof. Dr. Christoph Sparwasser, war Zurückhaltung bei der Einführung des OP-Roboters ebenso geboten wie prinzipielle Befürwortung. „Die Bundeswehr tut gut daran, an der Spitze des technischen Fortschritts zu marschieren. Nachdem wir dieses neue System in der Urologie eingeführt haben, konnten wir uns selbst ein Bild von seiner enormen Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit machen. Jetzt, nach rund 60 erfolgreichen Operationen in Ulm, sehe ich den OP-Roboter ´da Vinci Xi` als eine wesentliche und wichtige Ergänzung unserer operativen Möglichkeiten.“

Kosten des Roboters

Die Frage nach den Kosten des OP-Roboters beantworten die Ulmer Ärzte differenziert. Über die Anschaffungskosten für das eigentliche System hinaus, sind zusätzliche, auch anderweitig einsetzbare Geräte, Software und auch Ausbildung notwendig und sinnvoll. Mehrere Millionen Euro hat der Sanitätsdienst der Bundeswehr investiert. Eine rentierliche Investition in die Zukunft, daran zweifelt heute keiner der Beteiligten mehr.

Bedienkonsole des OP-Roboters „da Vinci Xi“

Bedienkonsole des OP-Roboters „da Vinci Xi“ (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Singer)Größere Abbildung anzeigen

Kosten-Nutzen-Betrachtung

Für Oberfeldarzt Dr. Andreas Martinschek geht es bei der Kosten-Nutzen-Betrachtung um wesentlich mehr als nur gespartes Geld durch verkürzte Liegezeiten der Patienten im Krankenhaus und weniger Medikamente und Verbandmaterial. „Wenn Sie einem Patienten nach einer schweren Prostata-Operation in Aussicht stellen können, dass er rascher mobilisiert werden kann und womöglich eine kürzere Zeit Probleme mit der Kontinenz haben wird, weil wir ihn mit der Unterstützung eines innovativen Roboters operiert haben, dann ist das unbezahlbare Lebensqualität für den Patienten. Und genau dafür wollen wir uns ständig verbessern. Für die medizinisch optimale Behandlung zum Wohle unserer Patienten am Bundeswehrkrankenhaus in Ulm.“

Technisch möglich - medizinisch sinnvoll

Dabei ist auch die Entwicklung des Robotersystems noch lange nicht am Ende angekommen. Künftig sollen, ganz im Sinne der „Augmented Reality“, auch die Ergebnisse der Voruntersuchungen ins Blickfeld der Operateure eingeblendet werden können, also zum Beispiel Bilder von Computertomographen- und Kernspinuntersuchungen, um zum Beispiel auffällige Befunde noch exakter entfernen zu können. Und wenn der OP über eine ausreichend schnelle Datenautobahn verfügt, könnte auch ein weit entfernter Experte an kniffligen Entscheidungen beteiligt werden. Die Grenzen des technisch Möglichen und medizinisch Sinnvollen werden auch am Bundeswehrkrankenhaus Ulm in diesen Tagen beständig verschoben.

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Stand vom: 02.03.16 | Autor: Herbert Singer


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