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Die unsichtbare Gefahr: Krankheitserreger

Koblenz, 21.03.2016.
Für das menschliche Auge unsichtbar, sind sie dennoch da. Mitten unter uns. Krankheitserreger, gefährliche und ungefährliche, sind der Feind jedes Krankenhauses. Auch Bundeswehrkrankenhäuser kämpfen mit allen Mitteln dagegen an. Gesteuert wird der Kampf durch die Krankenhaushygieniker. Am Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz ist Oberstabsarzt Svenja Liebler für die Hygiene verantwortlich.

Im täglichen Kampf gegen Keime - Oberstabsarzt Svenja Liebler

Im täglichen Kampf gegen Keime - Oberstabsarzt Svenja Liebler (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Skopnick)Größere Abbildung anzeigen

„Wenn Sie jetzt glauben, Hygiene am Krankenhaus hätte etwas mit Putzen zu tun, dann liegen Sie komplett falsch“, erklärt Liebler eindringlich. „In erster Linie geht es hier um Infektionsprävention“, führt sie weiter aus. Vom Gesetzgeber vorgeschrieben, umfasst dies auch die sogenannte „Surveillance“, das heißt, die Überwachung und Erfassung von multiresistenten Erregern und nosokomialen Infektionen (Infektionen, die im Zuge eines Aufenthalts in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung auftreten), die mit medizinischen Maßnahmen in Zusammenhang stehen. Als Beispiel nennt Liebler Wundinfektionen nach medizinischen Eingriffen oder Infektionen, die durch invasive Zugänge, wie Beatmungsschläuche oder zentrale Venenkatheter, entstehen können.

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Ein Aspekt der Hygiene: Händedesinfektion

Ein Aspekt der Hygiene: Händedesinfektion (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Skopnick)Größere Abbildung anzeigen

Mitarbeiter müssen sensibilisiert werden

Um dies zu gewährleisten, begeht Svenja Liebler regelmäßig ihr Haus, vorrangig die besonders gefährdeten Bereiche, wie OPs und Intensivstation. Eine große Aufgabe, die auch Mitarbeiteraufklärung- und schulungen beinhaltet. Ein ganz wichtiger Punkt ist hierbei die Akzeptanz der Mitarbeiter, ohne die jegliche Bemühungen, die Krankheitserreger fernzuhalten, im Keim erstickt werden würden. „Aber nicht nur medizinische Mitarbeiter des Krankenhauses müssen regelmäßig über bestehende oder auch neu einzuführende Verfahren im Bereich der Hygiene informiert werden, sondern auch Handwerker, die mit Umbaumaßnahmen oder aber auch einfacheren Ausbesserungsarbeiten befasst sind, Erzieher, die in der hausangegliederten Kindertagesstätte beschäftigt sind, Reinigungs- und Küchenkräfte“, so Liebler.

Hygienepläne und Verfahrensabläufe müssen regelmäßig den neuen Standards angepasst werden und helfen bei den verschiedenen Maßnahmen zur Vermeidung von Patienteninfektionen. Die Erstellung von Anweisungen zur Händedesinfektion und die Prüfung des Zusammenspiels verschiedener Präparate auf der Haut, sind weitere Tätigkeitsfelder, die der Hygieniker bearbeitet.

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Richtig desinfiziert? Das Schwarzlicht zeigt Schwachstellen auf

Richtig desinfiziert? Das Schwarzlicht zeigt Schwachstellen auf (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Skopnick)Größere Abbildung anzeigen

Gesichtspunkt Kleidung

Auch der „Arztkittel“ ist derzeit auf dem Prüfstand und im Begriff, abgeschafft zu werden. Nachweislich können im Bereich des Ärmelaufschlags in Handnähe Krankheitserreger haften, die Infektionen verursachen könnten. Der Kleidung wird insgesamt große Beachtung geschenkt. So wird durch die Bundeswehr die in Bundeswehrkrankenhäusern übliche weiße Uniform ausgegeben, die durch die Krankenhauswäschereien desinfiziert und gewaschen wird. In besonders gefährdeten Bereichen wird spezielle Bereichskleidung getragen. Die Ärmel der Oberbekleidung sind in beiden Fällen kurz. Durch die regelmäßige Händedesinfektion wird dann das Risiko, Krankheitskeime auf Patienten zu übertragen, gemeinsam mit dem zusätzlichen Schutz durch Handschuhe, minimiert. Regelmäßige mikrobiologische Untersuchungen der Kleidung minimieren dieses Risiko einmal mehr.

Hier steht aber nicht nur die Kleidung im Fokus, sondern auch Arbeitsflächen, OP-Material und Material zur Versorgung der Patienten, sowie die Zentralsterilisation, in der dieses Material, beispielsweise OP- Instrumentarium, wieder gebrauchsfertig verpackt und sterilisiert wird. Stichprobenartig werden sogenannte „Abklatsche“ durch die Zentralen Institute des Sanitätsdienstes der Bundeswehr genommen und im Labor mikrobiologisch untersucht.

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Umgang mit Antibiotika

In Zeiten des großzügigen Umgangs mit Antibiotika sollte vor allem bereits im „Hausgebrauch“ ein Umdenken erfolgen. Die sensible Prüfung von Notwendigkeit und Nutzen ist besonders wichtig, denn es wird oft vergessen, wie intelligent Krankheitserreger tatsächlich sind. So entwickeln gerade Bakterien Möglichkeiten, den Kampf gegen sie zu überleben. Sie überlisten die gängigen Antibiotika. Die Folge daraus: Es müssen stärkere Medikamente eingesetzt werden. Und auch dies hält so manches Bakterium nicht ab. So ist am Ende der größte Feind eines Patienten im Krankenhaus ein multiresistenter Erreger, der Heilung und Gesundung gefährden kann. Daher kommt der Krankenhaushygiene ein sehr hoher Stellenwert zu. Der Kampf für die Gesundheit ist ein lebendes Projekt.

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Hintergrund MRSA

Ein multiresistenter Erreger ist der sogenannte MRSA. MRSA bedeutet Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus und ist ein Bakterium. Es kommt auf der Haut von vielen gesunden Menschen vor und kann gegen das Antibiotikum Methicillin und auch die meisten anderen Antibiotika resistent, also unempfindlich, werden. Meist siedeln MRSA nur auf dem Menschen, ohne ihn krank zu machen. Erst wenn diese Bakterien über Wunden oder durch Schleimhäute in den Körper gelangen, können Infektionen ausbrechen und schwere Verläufe nehmen.

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Stand vom: 22.03.16 | Autor: Claudia Skopnick


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