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Im Gespräch mit Generalarzt Dr. Bernd Mattiesen

Ulm, 04.01.2016.
Seit dem 1. Juli 2015 ist Generalarzt Dr. Bernd Mattiesen im Bundesministerium der Verteidigung Beauftragter für einsatzbedingte posttraumatische Belastungsstörung und Einsatztraumatisierte (Beauftragter PTBS). Beheimatet und verheiratet in Ulm an der Donau, ist der gebürtige Tübinger Vater von zwei erwachsenen Kindern und Großvater von zwei Enkeltöchtern.

Haben Sie sich in Ihre neue Aufgabe bereits eingearbeitet?

Generalarzt Dr. Mattiesen im Gespräch

Generalarzt Dr. Mattiesen im Gespräch (Quelle: DBWV / Willem gr. Darrelmann)Größere Abbildung anzeigen

Ich denke schon. Ich hatte die Gelegenheit, zahlreiche gute Gespräche im Ministerium, mit vielen Verantwortungsträgern und Betroffenen zuführen. Es ist mir dabei ein ganz besonderes Anliegen, zwischen den verschiedenen Interessen einen Ausgleich herbeizuführen, um dann im Sinne der Betroffenen arbeiten zu können. Zur Bewältigung meiner neuen Aufgabe habe ich ein Team von fünf hochkompetenten Mitarbeitern, das mich tatkräftig unterstützt.

Sieht jeder Tag gleich aus?

Die Unterschiede eines Tagesablaufes dominieren. Wenn ich mein Tätigkeitsfeld betrachte, kann es in zwei Hauptaufgabenbereiche aufgeteilt werden: Zum einen gilt es, in der Grundlagenarbeit die Frage zu klären, was noch von der Regelungs- oder von wissenschaftlicher Seite für unsere Einsatzgeschädigten getan werden kann. Zum anderen befassen wir uns mit der Betreuung von Einzelnen, die sich mit der Bitte um Unterstützung an uns wenden. Derzeit befinden sich über 200 Soldatinnen und Soldaten in unserer direkten Betreuung, die mir genauso wie meinem Vorgänger sehr am Herzen liegen.

Können Sie auch abschalten, oder sind die Einzelschicksale doch sehr dominant?

Für die Aufgabe, die ich sehr gerne mache, ist es hilfreich, aus dem Sanitätsdienst zu stammen und eine über 30-jährige Berufserfahrung als Sanitätsoffizier mitzubringen. Es gibt viele Einzelschicksale, die mich berühren, auch über das Dienstliche hinaus. Zusätzlich ist es für mich hilfreich, ein stabiles Umfeld um mich herum zu haben. Oftmals geht es ja an die wirtschaftliche Existenz der Betroffenen.

Es gibt Soldatinnen und Soldaten, die ihren normalen Lebensalltag auch im Privaten nicht mehr bewältigen können. Unser besonderes Augenmerk liegt auf Reservistinnen und Reservisten, die sich im zivilen Berufsalltag zurechtfinden müssen. Ich betreue gerade einen ehemaligen Soldaten, der insgesamt drei Jahre im Auslandseinsatz war und eine Posttraumatische Belastungsstörung erlitten hat. Er hat zwar zunächst Krankengeld erhalten, es wurde dann jedoch versäumt, die Rente rechtzeitig zu beantragen, so dass jetzt eine Versorgungslücke drohte. Letztendlich konnten wir ihn dahingehend unterstützen, dass er dann doch noch Übergangsgelder erhalten hat. Das hat mich gefreut, denn dieser verdiente Soldat musste viel durchmachen und hat jetzt wenigstens eine finanzielle Basis.

Was können Sie dazu beitragen, Betroffenen zu helfen?

Die Gesetzeslage ist schon sehr gut. Ich möchte aber weitere Grundlagen schaffen, die den Weg zu Förderung, Therapie und Berufsausbildung, aber, wenn dies angebracht ist, auch zur Entschädigung verkürzen und beschleunigen. Denkbar wäre zum Beispiel die Einführung einer vorläufigen Schutzzeit, das heißt, dass wir Einsatzgeschädigte wieder in die Bundeswehr einstellen oder weiterverwenden können, auch wenn noch keine abschließende Entscheidung im naturgemäß längere Zeit andauernden Wehrdienstbeschädigungsverfahren vorliegt. Wir nehmen uns jedes Einzelnen an, beraten ihn so gut wir können und stellen die notwendigen Kontakte her.

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Wie sieht Ihr Wirken in den politischen Raum aus?

Der PTBS-Beauftragte ist absichtlich ein Beauftragter und nicht in die Linie eingebunden. Ich kann mit dem Obergefreiten sprechen, mit dem Feldwebel, mit dem Hauptsekretär und dem Staatssekretär. Die Ministerin hat ein hohes Interesse an der Thematik, und die Abgeordneten stellen teils sehr individuelle Fragen. Natürlich versuche ich, unser System weiter zu verbessern und kommuniziere unsere Vorstellungen in den politischen Raum. Die Gesetzesgrundlagen hierzu sind vorhanden; meistens gibt es in der Umsetzung in einzelnen Bereichen noch Optimierungsbedarf.

Warum sind Sie Sanitätsoffizier geworden?

Ich bin ja Seiteneinsteiger und habe Humanmedizin in Ulm studiert. Interessanterweise habe ich dabei viele Sanitätsoffiziersanwärter kennen gelernt, die begeistert von der Bundeswehr berichtet haben. Sie haben mich bewogen, nach meinem Studium Sanitätsoffizier zu werden. Von diesen damaligen Kommilitonen ist heute aber gerade noch einer bei der Bundeswehr. Ich war sehr gerne Truppenarzt und hätte diese Tätigkeit gerne länger ausgeführt. Es war überaus reizvoll, eigenständig medizinisch arbeiten zu können. Es gab sowohl schöne Tage, als auch schwere Tage. Es war aber stets die Freiheit meiner Arbeit, die Anerkennung und die Wertschätzung, die ich erfahren habe, und die mich begleitet haben.

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Wo fühlen Sie sich eigentlich zu Hause?

Ich wohne mit meiner Familie in Ulm. Das empfinde ich als meine Heimat. Seit nunmehr 26 Jahren bin ich „Hardcorependler“. Das fing 1990 mit der Auswahl zum Generalstabslehrgang an. Mit kleinen Kindern war das nicht immer einfach. Aber mittlerweile schätzen und nutzen meine Frau und meine erwachsenen Söhne ausgesprochen gerne meinen jeweiligen Zweitwohnsitz. Derzeit ist dieser ja in Berlin.

War die Generalstabsausbildung als Sanitätsoffizier etwas Besonderes für Sie?

Den Generalstabslehrgang habe ich als sehr spannend und interessant empfunden. Die Position des Sanitätsoffiziers hat mir eine durchaus angenehme Ausgangssituation verschafft. An den gesellschafts- und sozialwissenschaftlichen Fächern konnte ich voll partizipieren. Die Ausbildung in taktischen und operativen Fragen des Heeres war natürlich vom Verständnis der Truppe her sehr interessant. Es war dann auch kein Problem, wenn ich den Entschluss des Kommandeurs eines Panzerbataillons einmal nicht ganz optimal getroffen habe. Wichtig sind die im Rahmen eines solchen Lehrgangs geknüpften Kontakte und Freundschaften, wie auch das gemeinsame Verständnis, die ein Berufsleben lang halten.

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Dann doch lieber weiterbilden auf medizinischem Terrain?

Im weiteren Verlauf habe ich nochmals studiert und meinen Master im „Health Care Management“ gemacht. Das ist ein Bereich, über den viele im Sanitätsdienst reden, aber ich wollte das Themenfeld akademisch hinterlegen. Ich wollte oft genutzte Begrifflichkeiten wie Effizienzsteigerung, Zielgerichtetheit, SWOT - Analyse oder SMART - Prinzip mit Leben und Verständnis füllen können.

Bleibt da noch Zeit für Hobbies?

Generalarzt Dr. Mattiesen an seinem Arbeitsplatz (Quelle: DBwV / Willem gr. Darrelmann)Größere Abbildung anzeigen

Es gab Phasen in meinem Berufsleben, da blieb wirklich kaum Zeit für Hobbies. Ich gehe aber gerne in die Berge, und ich habe ein Gartengrundstück, das ich bewirtschafte. Meine Beete, Bäume und das Gewächshaus machen mir viel Freude, und ich kann dabei gut abschalten.

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Gibt es eine Lebensphilosophie für Sie?

Optimismus ist mir wichtig, um Probleme nicht ganz so ernst zu nehmen, wie sie im ersten Moment erscheinen. Man tendiert dazu, sich zu sehr vereinnahmen zu lassen und sich mit vielen Rahmenbedingungen zu beschäftigen, die einem das Leben schwer machen, was gar nicht zwingend erforderlich wäre.


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Stand vom: 01.07.16 | Autor: Matthias Frank


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