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Zika-Virus seit über zwei Jahren im Blickfeld

München, 09.02.2016.
Seit 2015 breitet sich das Zika-Virus in Südamerika aus. Bis zu 1,3 Millionen Verdachtsfälle einer Zika-Virusinfektion gab es im letzten Jahr in Brasilien. Das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, eine Forschungseinrichtung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, beschäftigt sich bereits seit mehr als zwei Jahren mit dem Erreger. Seit Anfang vergangenen Jahres verfügt es über einen nach internationalen Normen akkreditierten Test, mit dem das Zika-Virus bei Menschen in weniger als vier Stunden nachgewiesen werden kann.

Im Team: Oberfeldarzt Dr. Silke Wölfel (vorne) und ihre Assistentin (hinten) bewerten das Untersuchungsergebnis

Im Team: Oberfeldarzt Dr. Silke Wölfel (vorne) und ihre Assistentin (hinten) bewerten das Untersuchungsergebnis (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Jooß)Größere Abbildung anzeigen

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Vergangenheit und Gegenwart

Oberfeldarzt Dr. Silke Wölfel ist Virologin am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und beschäftigt sich mit der Erforschung neu auftretender Viruskrankheiten. Dazu gehört auch die Entwicklung von neuen Nachweisverfahren für solche Erreger. „Das Zika-Virus wurde zum ersten Mal 1947 im Zika Forest in Uganda in Rhesusaffen festgestellt“, erklärt die 42-jährige die Herkunft des Namens. „Bis zu einem wenig beachteten Ausbruch in Mikronesien im Jahre 2007 gab es kaum Infektionen von Menschen“, erzählt sie weiter. 2013 habe es in Polynesien allerdings dann schon 8000 Verdachtsfälle gegeben, davon 383 bestätigte. Für die Virologen der Bundeswehr war dies ein Anlass sich auf diesen neuen Erreger vorzubereiten. Sie entwickelte ein molekularbiologisches Testverfahren, mit dem das Erbgut des Zika-Virus eindeutig nachgewiesen werden kann. Am Anfang des Ausbruchs hätten allerdings viele andere Wissenschaftler in Deutschland kaum Interesse an der neuen Diagnostik gehabt. „Es wurde nur auf das gefährlichere und nahverwandte Dengue-Virus getestet“, so Dr. Wölfel.

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Oberfeldarzt Dr. Silke Wölfel begutachtet auf einen Zika-Virusnachweis

Oberfeldarzt Dr. Silke Wölfel begutachtet auf einen Zika-Virusnachweis (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Jooß)Größere Abbildung anzeigen

Einordnung und Folgen

„Dengue- und Zika-Viren gehören beide zu den Flaviviren, werden durch Stechmücken übertragen und verursachen ähnliche Krankheitssymptome“, erklärt Dr. Wölfel. Beim Zika-Virus leiden die Patienten unter Fieber, Hautausschlag, Gelenkschmerzen und Bindehautentzündung. „Vermutlich nur ein Viertel der Infizierten zeigt diese Symptome“, weiß die Expertin, „während bei den übrigen Infizierten keine Krankheitszeichen auftreten.“ Die meisten Fälle heilten nach einer relativ kurzen Krankheitsdauer und mildem Verlauf komplett aus. Bei einem geringen Prozentsatz der Patienten könnten sich jedoch Nervenschädigungen entwickeln. „Außerdem gibt es mittlerweile starke Hinweise, dass eine Zika-Infektion bei Schwangeren zu einer Missbildung des Gehirns beim Baby, der sogenannten Mikrozephalie, führen kann“, sagt die Forscherin.

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Oberfeldarzt Dr. Silke Wölfel betrachtet eine Zika-Viruszellkultur unter dem Mikroskop

Oberfeldarzt Dr. Silke Wölfel betrachtet eine Zika-Viruszellkultur unter dem Mikroskop (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Jooß)Größere Abbildung anzeigen

Forschung und Entwicklung

Umso wichtiger sei es, einen schnellen und sicheren Nachweis für das Zika-Virus zu haben. „Unser neuer Labortest kann gleichzeitig Dengue- und Zika-Infektionen erkennen und unterscheiden. Zudem haben wir ihn auch nach einer internationalen Norm für Laboruntersuchungen akkreditiert“, betont Dr. Wölfel mit einigem Stolz. „Im Moment gibt es diese besondere Testkombination allerdings nur bei uns. Wir arbeiten aber hart daran, die Methode zu veröffentlichen, damit sie jeder nutzen kann.“

Dr. Wölfel beugt sich wieder über das Analysegerät und untersucht eine Blutprobe, die vom Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität aus München zur Zika-Diagnostik an das Bundeswehrinstitut geschickt wurde. Die Bundeswehrärztin freut sich, „dass das Institut für Mikrobiologie Bundeswehr die große Flexibilität besitzt, auch solche Tests entwickeln zu können.“

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Schutz und Vorsorge

Um sich vor einer Zika-Infektion zu schützen, empfiehlt Dr. Wölfel den üblichen Mückenschutz für Einsatzsoldaten: „Tragen der mit einem Vektorenschutz versehenen Uniform, die den ganzen Körper bedecken sollte und das Nutzen von Insektenschutzmittel“. Zu den neuesten Meldungen, dass das Zika-Virus möglicherweise auch durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann, rät sie: „Safer Sex schützt, unabhängig vom Zika-Virus, vor vielen Krankheiten und sollte im Zweifelsfall immer angewandt werden“. Auch wenn es keinen hundertprozentigen Schutz gegen Mückenstiche gäbe, so müsse man nicht allzu viel Angst haben. „Wenn man sich schützt, dann hat man alles getan, was notwendig ist“, unterstreicht die Wissenschaftlerin. Dies gelte auch für die deutschen Sportsoldatinnen und -soldaten, die in diesem Jahr an den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro teilnehmen. „Für Schwangere in Brasilien gibt es leider nur den Mückenschutz“, erklärt die zweifache Mutter und drückt ihr Mitgefühl für die betroffenen Frauen in Südamerika aus.

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Stand vom: 10.02.16 | Autor: Siegfried Jooß


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