Job am Limit – deutsche Ärzte und Sanitäter im Einsatz in Kunduz
Kunduz, 21.04.2009, Sanitätsdienst Bundeswehr.
Ein weiteres Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan liegt in Kunduz. An einer nur wenige hundert Meter vom Feldlager gelegenen Landepiste gelegen, schmiegt es sich – eingebettet von kleinen Dörfern in der Umgebung – in die staubige und immerbeige Landschaft. Die Ärzte und Sanitäter, die im deutschen Rettungszentrum in Kunduz eingesetzt sind, stehen unter Dauerbelastung. Für verwundete oder kranke ISAF(International Security Assistance Force)-Soldaten, ANA(Afghanistan National Army)-Angehörige und Polizisten, aber auch für verletzte oder kranke afghanische Zivilisten leisten sie alles menschenmögliche, um zu helfen. Notärzte, Rettungsassistenten und Sanitäter begleiten als Bewegliche Arzttrupps (BAT) Truppen und retten und versorgen im schlimmsten Fall Verwundete auch unter Beschuss.
Das Rettungszentrum ist im Vergleich zum Feldlazarett in Mazar-e Sharif wesentllich kleiner, bietet aber einen ähnlichen umfangreichen medizinischen Standard wie sein „großer Bruder“. Eine Triage-Zone, in der Verletzte in Kategorien und für die weitere Behandlung eingeteilt werden, ist ebenso vorhanden wie Schockräume, Operationssäle, eine moderne Diagnostik, Zahnarzt und Labore. Die Schockräume sind dabei so ausgelegt, dass an Ort und Stelle auch Notoperationen geleistet werden können.

Harte Tatsachen
Leider kommt es immer wieder vor, dass die Ärzte und Sanitäter schwere Fälle auf den Tisch bekommen und auch ein deutscher Arzt manchmal eine schnelle und traurige Diagnose fällen muss. Oftmals deshalb, weil die bisherige Behandlung nach afghanischem Standard unzureichend war und Komplikationen auftreten. Ein durch eine Panzerfaust schwer verwundeter und dadurch Unterschenkelamputierter Polizist muss erneut operiert werden, nachdem sich beim Verbandwechsel herausstellt, dass Gewebe abgestorben ist. Das Knie ist nicht mehr zu retten, heißt es schlicht. Die folgende Operation wird als lebensrettend angesehen, denn eine Sepsis (Blutvergiftung) wäre eine wahrscheinliche Folge, wenn nicht sofort gehandelt wird.

Retten! - Im Zweifelsfall auch unter Beschuss
Die Teams der BATs in Kunduz begleiten nicht nur deutsche Truppen auf kürzeren Patrouillen oder Versorgungskonvois, sondern auch Patrouillen, die sich über mehrere Tage erstrecken oder Soldaten, die laufende Operationen der afghanischen Armee absichern. Diese Frauen und Männer sind die ersten, die - neben der Selbst- und Kameradenhilfe und den bei der Infanterie eingesetzten Truppensanitätern - Leben retten, wenn es darauf ankommt.
Wenn also aus einem Transportpanzer „Fuchs“ mit dem Roten Kreuz ein Soldat - mit Schutzweste geschützt und dem Gewehr in der Hand -, aussteigt, handelt es sich keineswegs um einen Fallschirmjäger oder Grenadier. Sondern vielmehr um den Notarzt, der zusammen mit seinem Team gewappnet und jederzeit bereit ist, auch unter Beschuss sich und seine Patienten zu schützen und seine ärztlichen Pflichten zu erfüllen.
Dem Außenstehenden mag das skurril erscheinen, aber die Sicherheitslage in dieser Gegend Afghanistans verlangt nach einem höchst möglichen Schutz für die Soldaten und eben auch für die Sanitäter. Denn immer wieder kommt es vor, dass ISAF-Fahrzeuge „angesprengt“, also mit Sprengfallen attackiert oder gar mit Handwaffen oder Panzerfäusten beschossen werden.

Auch im Feldlager: Die Gefahr geht immer mit
Die angespannte Sicherheitslage verspüren jedoch auch die Soldatinnen und Soldaten, die im Feldlager eingesetzt sind. Zwar sind die Gebäude gegen Beschuss geschützt und mit Splitterschutzwänden gesäumt, sodass die Ärzte selbst unter Beschuss operieren können, aber die Gefahr, wenn Soldaten sich ungeschützt durchs Feldlager bewegen, geht immer mit.
Für eine junge Sanitätssoldatin wurde vor kurzem der Straßengraben nach eigener Aussage „zum besten Freund“, als sie bei einem Raketentreffer unweit des Feldlazaretts zu Fuß im Lager unterwegs war. Aller einsatzbedingten Umstände zum Trotz machen die Ärzte und Sanitäter dennoch einen hervorragenden und einen über die Maßen verantwortungsvollen Job. - Unparteiisch und sich der besonderen Verpflichtung der Arbeit unter dem Roten Kreuz immer bewusst.



