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Interoperabilität – Zusammenarbeit auf einer neuen Ebene geübt

Mainz, 03.02.2016.
Bei gemeinsamen Auslandseinsätzen von Streitkräften kommt der Interoperabilität, also der Fähigkeit mit unterschiedlichen Systemen, möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten, eine immer größere Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund haben US-amerikanische und deutsche Sanitätskräfte vom 27. bis 28. Januar 2016 in der Nähe von Mainz gemeinsam bei der Übung MEDICAL SHOCK 2016 die Versorgung von Patientinnen und Patienten geübt.

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Gemeinsame Versorgung einer Übungsverletzten (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

„Die Interoperabilität der eingesetzten Sanitätskräfte ist der Schwerpunkt bei der Übung MEDICAL SHOCK“, erklärt Hauptmann Holger Fischlein vom Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (Kdo SES) aus dem ostfriesischen Leer, die Herausforderung, denen sich die deutschen Sanitätskräfte aus Leer, Seedorf und Lebach gestellt haben. „Die Versorgung der Patienten verläuft über Kreuz. Die Patienten werden von der deutschen Rettungsstation, bei der die erste notfallmedizinische Versorgung der Patienten erfolgt, zum amerikanischen Rettungszentrum, in dem die erste notfallchirurgische Versorgung durchgeführt wird, gebracht und umgekehrt.“

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US-amerikanische und deutsche Sanitätskräfte übernehmen gemeinsam die Erstversorgung der Verwundeten

US-amerikanische und deutsche Sanitätskräfte übernehmen gemeinsam die Erstversorgung der Verwundeten (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Sprachliche Herausforderung

Zudem hat die Übungsleitung des Hauptquartiers der US ARMY in Europa (HQ USAREUR) darauf geachtet, dass auch deutsche Rollenspieler als Übungs-Patienten eingesetzt werden, um die sprachliche Herausforderung für beide Nationen gleichermaßen zu gestalten. Geübt wurde die Versorgung der Patienten vom Ort der Verwundung bis zur sogenannten Behandlungsebene zwei, der ersten chirurgischen Versorgung.

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Gegenseitiges Vertrauen in die Fähigkeiten der Sanitätskräfte aufbauen

Gegenseitiges Vertrauen in die Fähigkeiten der Sanitätskräfte (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Fokus liegt auf der Behandlung

Keine Effekt-erhaschende Detonationen, Rauchschwaden oder Maschinengewehr-Feuer im dicht besiedelten Gebiet. Ein wenig Unruhe macht sich trotzdem bei den Soldatinnen und Soldaten der Luftlande-Rettungsstation des 9./Fallschirmjägerregimentes 31 aus Seedorf breit. Soeben wurden über Funk zwei Patienten angekündigt. Nur wenig Zeit ist vergangen, schon fährt ein amerikanisches Sanitätsfahrzeug vor und bringt die zwei angekündigten amerikanischen Patienten. Hauptfeldwebel Hauke Howoldt ist der Dreh- und Angelpunkt vor Ort. Schnell werden die Patienten auf die Behandlungsplätze verteilt und durch die zwei Notfallmediziner und ihr sechsköpfiges Assistenzpersonal versorgt. Als Teil der Division Schnelle Kräfte sind die Soldatinnen und Soldaten es gewohnt, flexibel handeln zu müssen.

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Die Übermittlung der Patienten-Dokumentation gehörte auch zum Übungsszenario

Die Übermittlung der Patienten-Dokumentation gehörte auch zum Übungsszenario (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Kommunikation kein Problem

Die Kommunikation sei kein Problem. „Bedenklich wird es nur, wenn ein Texaner mit seinem besonderen Slang dabei ist“, scherzt Howoldt. Schnell stellt sich heraus, dass der als Kategorie A (Kat A) eingestufte Patient, d.h. schwerverletzt, tatsächlich der sogenannten Kategorie C zugeordnet werden kann, also leichtverletzt ist. So nimmt ein Routine-Programm mit der Überwachung der Vitalparameter, wie Kreislauf, Puls und Blutdruck und der dazugehörigen Dokumentation mit den entsprechenden NATO-standardisierten Meldungen seinen Lauf.

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Die Handhabung der unterschiedlichen materiellen Ausstattungen birgt ihre Tücken

Die Handhabung der unterschiedlichen materiellen Ausstattungen birgt ihre Tücken (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Transport

Bei der Kommunikation mit der Leitstelle muss auf Funkgeräte der US-Streitkräfte zurückgegriffen werden, da die Frequenzsysteme der unterschiedlich eingesetzten Geräte nicht miteinander kompatibel sind. Howoldt leitet nach der Versorgung der Patienten den Weitertransport ein, damit die Kapazitäten gleich wieder für neue Fälle zur Verfügung stehen. „Die Anforderung von Transportkapazitäten ist bei den US-Amerikanern etwas anders als bei uns. Deren Sanitätseinheiten steuern die Transporte selbst, während unsere durch unsere PECC (Patient Evacuation Coordination Cell) zentral gesteuert wird“, erklärt der erfahrene Rettungsassistent den Unterschied bei der Verlegung von Patienten auf dem Landtransport und macht sich erste Notizen für die spätere Evaluierung der Übung.

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Viele Verletzte zur gleichen Zeit – Die Koordination der Versorgung der Patienten vor Ort verlangt Ruhe und Übersicht bewahren

Die Koordination der Versorgung der Patienten vor Ort verlangt Ruhe und Übersicht bewahren (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Teil eines Größeren

Bei einem der eingespielten Szenarien stehen die binationalen sanitätsdienstlichen Rettungskräfte vor der Herausforderung, die Patienten entsprechend dem Verletztenartenverfahren zu kategorisieren. „Wichtig ist, dass die Schwerstverwundeten als erstes versorgt werden“, erklärt Oberstabsarzt Dr. Oliver M., der als Schiedsrichter an der Übung MEDICAL SHOCK teilnimmt, die ein Teil der durch den Befehlshaber der US ARMY EUROPE angeordneten Übungsserie FREEDOM SHOCK ist. Das HQ USAREUR hat die deutschen Sanitätskräfte zu der Übung eingeladen, mit dem Ziel, die deutsch-amerikanische sanitätsdienstliche Zusammenarbeit zu intensivieren.

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Versorgung eines Verletzten in der Ambulanz des Luftlandesrettungszentrums

Versorgung eines Übungsverletzten in der Ambulanz des Luftlandesrettungszentrums (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Vom Aufbau an

Für die Soldatinnen und Soldaten der 3. Kompanie des Kdo SES stand schon beim Aufbau „ihres“ erweiterten Kernmoduls des Luftlanderettungszentrums (LLRZ) die Interoperabilität im Mittelpunkt. Der Aufbau des aus einer Ambulanz, einer Intensivstation und einem OP-Zelt bestehenden Kernmoduls ging mit der logistischen Unterstützung der amerikanischen Kameraden einher. Nach einer Stunde bestand bereits eine Aufnahmebereitschaft. Die volle Einsatzbereitschaft war nach acht Stunden erreicht. „Für viele unserer Soldatinnen und Soldaten war es die erste Zusammenarbeit mit unseren amerikanischen Kameraden, und sie hatten sichtlich Spaß dabei“, sagt Kompaniechef Hauptmann Fischlein.

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Ultraschalluntersuchung eines gerade eingelieferten Übungsverletzten

Ultraschalluntersuchung eines gerade eingelieferten Übungsverletzten (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Priorisieren

Ein amerikanisches Sanitätsfahrzeug vom Typ Humvee fährt mit vier Schwerstverletzten beim LLRZ vor. Er ist Teil des Höhepunktes der Übung: Die sanitätsdienstliche Versorgung eines Massenanfalls von Verletzten, im NATO-Code ein sogenannter MASCAL, der ein Ungleichgewicht von vorhandenen Mitteln gegenüber einer Anzahl von Verletzten und Verwundeten beschreibt. Oberstabsarzt Dr. Chadlia Willms übernimmt zusammen mit einem Chirurgen die erste Sichtung der Verletzten. Gemeinsam legen sie die Reihenfolge der Behandlung fest, da nicht alle Verletzten durch die beiden Mediziner gleichzeitig versorgt werden können. Die 38-jährige Anästhesistin aus dem Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz strahlt eine große Ruhe und Souveränität aus. Zügig werden die Patienten auf die Behandlungsplätze verteilt und durch das medizinische Fachpersonal versorgt.

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Versorgung eines Übungsverletzten im Luftlanderettungszentrum

Versorgung eines Übungsverletzten im Luftlanderettungszentrum (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Verstärkung

Die Medizinerin verstärkt während der Übung das Team des LLRZ als leitende Notärztin im Bereich Notaufnahme und Schockraum. Es ist ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kommandoebenen bei der personellen Unterstützung der Sanitätsverbände. Die Mediziner versehen ihren regulären Dienst in den Bundeswehrkrankenhäusern oder regionalen Sanitätseinrichtungen und kommen bei den Auslandseinsätzen und Übungen in den Rettungszentren zum Einsatz.

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Ryan G. möchte als Übungsverletzter seinen Beitrag zur realitätsnahen Ausbildung der Sanitätskräfte leisten

Ryan G. möchte als Übungsverletzter seinen Beitrag zur realitätsnahen Ausbildung der Sanitätskräfte leisten (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Zuerst tief durchatmen

Beeindruckend für jeden Übungsteilnehmer war die Integration eines in Afghanistan versehrten Soldaten als Übungsverletzter. Er reiste gemeinsam mit dem Schminkteam aus Großbritannien an, um an der Übung teilzunehmen. Für ihn ist es gerade aufgrund seines beidseitigen Beinverlustes wichtig, dass die Sanitätskräfte eine sehr realitätsnahe Ausbildung erhalten. Er ist überzeugt, dass die Konfrontation der Soldatinnen und Soldaten mit einem beinamputierten Rollenspieler bei einer Übung die beste mögliche Vorbereitung auf die Realität bei einem angesprengten Verwundeten ist.

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Brigade General Norvell Coots (m) und Brigade General Arlan M. DeBlieck (re.) von der US ARMY lassen sich von Hauptmann Holger Fischlein (li.) über das Leistungsspektrum des Luftlanderettungszentrums informieren

Brigade General Norvell Coots (m) und Brigade General Arlan M. DeBlieck (re.) von der US ARMY lassen sich von Hauptmann Holger Fischlein (li.) über das Leistungsspektrum des Luftla … (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/Bannert)Größere Abbildung anzeigen

Hand in Hand

Während der erste Verletzte bereits in den OP gebracht wird, werden die Behandlungsplätze der Notaufnahme für die nächsten Patienten vorbereitet. „Das Hand in Hand arbeiten mit unseren amerikanischen Kameraden, und das im wahrsten Sinne des Wortes, war für unsere Soldatinnen und Soldaten eine sehr interessante, spannende und zufriedenstellende Erfahrung“ resümiert Fischlein die Übung MEDICAL SHOCK 2016.

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Stand vom: 23.03.16 | Autor: Knut Klein


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