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Die Rettungskette und ihre Behandlungseinrichtungen

Koblenz, 23.03.2016.
Die modularen Container- und Zeltmodule können zu Rettungsstationen, Rettungszentren und Einsatzlazaretten für die sanitätsdienstliche Behandlung von Patienten in den Einsatzgebieten zusammengefügt werden. Das breite Spektrum an Modularen Sanitätseinrichtungen mag für den Außenstehenden verwirrend sein. Doch dahinter steckt ein klares Konzept – die Rettungskette.

US-amerikanische und deutsche Sanitätskräfte übernehmen gemeinsam die Erstversorgung der Verwundeten

US-amerikanische und deutsche Sanitätskräfte übernehmen gemeinsam die Erstversorgung der Verwundeten (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Für die Rettungskette im Einsatz sind nach gültigem NATO-Standard verbindliche Vorgaben hinsichtlich der Zeitlinien der Behandlung von verwundeten Soldatinnen und Soldaten festgelegt:

a) Erweiterte Erste Hilfe Maßnahmen: Blutungsstillung und Atmungskontrolle innerhalb der ersten zehn Minuten nach Verwundung.

b) Damage Control Resuscitation (DCR): Beginn mit ersten notfall – und intensivmedizinischen Maßnahmen (eingeschlossen Bluttransfusion) zur Schadensbegrenzung und Stabilisierung innerhalb einer Stunde nach Verwundung.

c) Damage Control Surgery (DCS): Beginn mit lebensrettenden chirurgischen Eingriffen zur Schadensbegrenzung und Stabilisierung innerhalb der ersten zwei Stunden nach Verwundung.

Die Einhaltung dieser Zeitlinien, die auf den Erkenntnissen vieler Einsätze sowie internationaler Erfahrungen in der Trauma-Versorgung basieren, ist entscheidend für das Überleben und die Begrenzung gesundheitlicher Spätfolgen eines verwundeten Soldaten. Diese aus den präklinischen und klinischen Erfordernissen abgeleiteten zeitlichen Vorgaben sind zudem wichtige Grundlagen für die taktische und operative Einsatzplanung. Die sehr unterschiedlichen Bedingungen in den Einsatzgebieten der Bundeswehr sowie eine meistens eingeschränkte Sicherheitslage haben zur Folge, dass die Rettungskette im Einsatz keine vollständig spiegelbildliche Abbildung der rettungsdienstlichen Ablauforganisation in Deutschland darstellen kann. Der jeweiligen Einsatzlage angepasst, kann der Rettungsweg eines Verwundeten unterschiedliche Wege über eine Reihe von Sanitätseinrichtungen aufsteigender Leistungsfähigkeit nehmen (Abb.1). Die Rettungskette funktioniert im Einsatz über einen entsprechend flexibel ausplanbaren Verbund von Transportmitteln und in ihrer Leistungsfähigkeit abgestuften medizinischen Behandlungseinrichtungen.

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Einsatzdauer und Reaktionszeit entscheidend

Entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit werden Sanitätseinrichtungen Behandlungsebenen bzw. Roles zugeordnet. Role 4 ist die höchste Stufe, i.d.R. ein Krankenhaus im Heimatland

Rettungskette gemäß NATO-Vorschrift (Quelle: Modifiziert nach der NATO-Vorschrift AJP- 4.10/Allied Joint Medical Support Doctrine)Größere Abbildung anzeigen

Je nach Einsatzdauer und Reaktionszeit im Vorfeld kommen neben den mobilen Sanitätselementen weitere Sanitätseinrichtungen zum Einsatz. Für schnell ablaufende Operationen gibt es luftverlegbare, zeltgestützte Einrichtungen (LSE), die nur kurzzeitig eingesetzt werden, in der Regel lediglich über begrenzte medizinische Eingriffsmöglichkeiten verfügen und gegebenenfalls durch Elemente der containerisierten modularen Einrichtungen (MSE) oder gar feste Infrastruktur ersetzt werden. Containerisierte Behandlungseinrichtungen sind für einen Einsatz von bis zu zwölf Monaten konzipiert. Ab einer Einsatzdauer von mehr als einem Jahr sind grundsätzlich feste Infrastrukturen vorgesehen, um dem Verschleiß der modularen Einsatzelemente vorzubeugen.

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Behandlungsebene 1

Eine aufgebaute Rettungsstation während der multinationalen Übung Trident Juncture

Eine aufgebaute Rettungsstation während der multinationalen Übung Trident Juncture (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Schwerpunkt bei der Behandlungsebene 1 ist die allgemein- und notfallmedizinische Versorgung, einschließlich der chirurgischen Wundbehandlung. Das heißt, die qualifizierte Aufrechterhaltung und Sicherung der Vitalfunktionen mit Hilfe moderner notärztlicher Verfahren wird hier gewährleistet. Im Falle eines Weitertransports dient die Rettungsstation zur Stabilisierung des Patienten. Aufgrund der hohen Anforderung an Mobilität sind hier Einrichtungen gefragt, die einen möglichst kleinen logistischen Fußabdruck hinterlassen. Für diese Anforderungen wurden die Rettungsstation und die Luftlanderettungsstation konzipiert. Die Rettungsstation besteht aus einem Container, einem Container Versorgungspalette, einem aufblasbaren Zelt sowie der dafür erforderlichen Transportkomponente. Die Rettungsstation gibt es als geschützte und ungeschützte Variante. Diese ist innerhalb einer Stunde einsatzbereit. Sie kann selbstständig oder innerhalb des Gesamtsystems einer modularen Sanitätseinrichtung verwendet werden. Sämtliche zur Aufgabenerfüllung auf dieser Behandlungsebene notwendigen medizinischen Geräte werden in der Rettungsstation mitgeführt und benötigen keinen weiteren Transportraum. Diese Konfiguration ist auch als eine rein zeltgestützte luftbewegliche Variante (LLRS) möglich.

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Behandlungsebene 2

Luftaufnahme Rettungszentrum leicht

Luftaufnahme Rettungszentrum leicht (Quelle: PIZ Sanitätsdienst)Größere Abbildung anzeigen

Zur Behandlungsebene 2 gehören das Rettungszentrum und das Luftlanderettungszentrum. Sowohl die containergestützte als auch die zeltgestützte Konfiguration sind in einer leichten und einer verstärkten Variante möglich. Insbesondere das Rettungszentrum leicht (RZ le) wurde bei zahlreichen Auslands-, Katastrophen- oder anderen Hilfseinsätzen der Bundeswehr eingesetzt. In ihm erfolgt durch ca. 48 Soldatinnen und Soldaten die chirurgische Akutversorgung, intensivmedizinische Überwachung sowie die Überwachung und Pflege der Patientinnen und Patienten nach Operationen. Der medizinische Standard ist dabei vergleichbar mit einem Deutschen Kreiskrankenhaus. Bereits eine Stunde nach Eintreffen am Einsatzort können im RZ le erste Patienten aufgenommen werden, und innerhalb von nur sechs Stunden ist die volle Einsatzbereitschaft hergestellt. Das RZ le kann flexibel zu einem größeren Rettungszentrum erweitert werden. Das Namenskürzel „leicht, le“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass zum Aufbau und Transport bei dieser Variante mehrere Lastkraftwagen sowie ein Kran mit mindestens 20 Tonnen Nutzlast benötigt werden. Bereits die zeltgestützte Konfiguration des Luftlanderettungszentrums leicht (LLRZ le) bringt stattliche 80 Tonnen auf die Waage.

Angesichts heutiger Einsatzszenarien werden zunehmend auch hochmobile Sanitätseinrichtungen mit DCS-Fähigkeiten benötigt. Eine aktuelle Neuentwicklung ist das Luftlanderettungszentrum für Spezialeinsätze (LLRZ SpezEins) mit seinem integralen Basismodul, das als noch kleinere und leichtere Komponente in den Einsatz gebracht werden kann. Mit maximal 1,5 Tonnen Gesamtgewicht zeigt dieses Teil-System, wohin die Reise bei den Sanitätseinrichtungen geht – leicht, mobil, leistungsfähig.

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Behandlungsebene 3

Das Einsatzlazarett ist quasi die Königsklasse der MSE und wird durch die Erweiterung eines Rettungszentrums (Behandlungsebene 2) um fachärztliche, pflegerische und OP-Kapazitäten erreicht. Ein Einsatzlazarett ist aufgrund seiner personellen und materiellen Ausstattung zur multidisziplinären Diagnostik und Therapie befähigt. Das Einsatzlazarett ist in zwei Konfigurationen möglich. Diese unterscheiden sich aber lediglich in ihrer Pflegekapazität von 72 bzw. 180 Betten.

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Behandlungsebene 4

Notaufnahme eines Bundeswehrkrankenhauses

Notaufnahme eines Bundeswehrkrankenhauses (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Henning)Größere Abbildung anzeigen

Ergänzt wird die Rettungskette noch durch die Behandlungseinrichtung 4. In erster Linie stehen mit der vierten Behandlungsstufe Bundeswehrkrankenhäuser zur Verfügung. Es werden auch zivile Krankenhäuser genutzt und Rehabilitationseinrichtungen beansprucht. Nach Rückführung des Patienten aus einem Einsatzgebiet erfolgen in diesen Einrichtungen alle notwendigen weiteren medizinischen Behandlungen und Therapien.

Grundsätzlich ist jede Versorgung eines verwundeten oder erkrankten Soldaten individuell. Verletzungsgrad und Krankheitsbild des Patienten sind bestimmende Größen für die handelnden Verantwortlichen.

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Stand vom: 12.04.16 | Autor: Uwe Henning


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