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BGM: Forschungskonsortium zieht positives Fazit

München, 05.01.2016.
Seit Januar 2015 wird im Rahmen einer Erprobungsphase das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) eingeführt. Hierzu wurde in der ersten Jahreshälfte 2015 bei elf ausgewählten Pilotdienststellen die Einführung des BGM untersucht. Eine erste wissenschaftliche Studie mit den Ergebnissen wurde nun auf dem Wehrmedizinischen Symposium „Betriebliches Gesundheitsmanagement im Geschäftsbereich des BMVg“ an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München vorgestellt. Unter den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fanden sich neben Sanitätsoffizieren und den BGM-Koordinatoren auch Sportwissenschaftler und Ärzte sowie zivile Experten.

Bestens besucht war das Wehrmedizinische Symposion zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Bestens besucht war das Wehrmedizinische Symposion (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Singer)Größere Abbildung anzeigen

Acht Hochschulinstitute und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) stellten die wissenschaftliche Begleitung dieser Erprobungsphase unter Federführung der TaskForce BGM im Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr sicher. Damit sei dies eines der größten multidisziplinären Forschungskonsortien, das je zu dieser Fragestellung eingerichtet wurde. Im Vortrag zum strategischen Forschungsmanagement zeigte Oberstarzt Priv.-Doz. Dr. Kai Kehe von der Sanitätsakademie der Bundeswehr, dass die Organisation des Forschungsvorhabens prozessorientiert gestaltet und an der Wirkung im System Bundeswehr orientiert wurde. Das Forschungskonsortium BGM mit seinen zivilen und militärischen Einrichtungen konnte in eindrucksvoller Weise belegen, wie Synergien gebündelt und effektiv genutzt werden können.Die Breite des Forschungsspektrums reichte dabei vom Betriebssport über die Ernährungsberatung bis hin zur Suchtprävention und der Bedeutung eines gesunden Führungsstils.

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Bloch: "Sport hat einen positiven Einfluss auf die menschlichen Risikofaktoren" (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Singer)Größere Abbildung anzeigen

Positive Effekte auch bei Krebs

Der Festvortrag wurde von Prof. Dr. Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln zum Thema „Epigenetik und Sport“ gehalten. Die Epigenetik habe als junge Disziplin hohe Aufmerksamkeit erlangt, weil durch sie die Auswirkungen von Umwelt und Lebensstil auf die Aktivität des Erbguts untersucht werden könnten. Dabei seien die Effekte sowohl positiver als auch negativer Art. Als langjähriger Experte auf diesem Feld legte Prof. Bloch dar, wie durch diesen Mechanismus beispielsweise Sport einen positiven Effekt auf chronische Entzündungsvorgänge haben könne. Aber auch bei Krebserkrankungen habe körperliche Bewegung hilfreiche Auswirkungen, da die körpereigene Abwehr von Tumorzellen gesteigert werde. Bloch zeigte, dass Risikofaktoren durch Sport positiv beeinflusst werden können.

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Bestandteil moderner Führungskultur

Prof. Dr. Dirk Rose, Universität Mainz, hob hervor, dass BGM nicht zwingend etwas mit Medizin zu tun haben müsse. Vielmehr stelle BGM eine konsequente Weiterentwicklung des Risikomanagements dar. BGM sei Bestandteil moderner Führungskultur und biete dem Mitarbeiter eine hohe Wertschätzung. Diese Investition in die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter trage zum Erfolg eines Unternehmens bei. Die enorme Bedeutung der Führungskraft für Erfolg und Misserfolg des BGM, und damit des Unternehmenserfolgs, zeige sich eindrucksvoll in den nachfolgend vorgestellten Teilprojekten.

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Bewegung als Königsweg

Die gesundheitsökonomischen Effekte des BGM in der Bundeswehr wurden von Prof. Dr. Christian Krauth von der Medizinischen Hochschule Hannover analysiert. Dabei werden die Kosten pro qualitätskorrigiertem Lebensjahr ermittelt. In früheren Untersuchungen konnte Krauth an Schulkindern zeigen, dass Sport positive Effekte auf die spätere Gesundheit und damit die Folgekosten habe. Bewegung sei der Königsweg, um seine Gesundheit zu schützen und zu erhalten. Daher werde im BGM-Projekt ein großes Augenmerk auf diesen Aspekt gelegt.

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Sport schützt Gesundheit

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Bereich der Sportwissenschaft wurden von Prof. Dr. Andreas Schlattman, Universität der Bundeswehr München, vorgestellt. Da viele der BGM-Koordinatoren Sportwissenschaftler seien, konnten viele sehr gute und auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmte Sportprogramme angeboten werden, die jedoch sehr unterschiedlich angenommen wurden. Unter Berücksichtigung der „Theorie des geplanten Verhaltens“ erklärte Schlattmann, dass die Handlungsabsicht eine wichtige Rolle spiele und zur Verdopplung der tatsächlich teilnehmenden Personen führe. Daneben spielten die Einstellung zum BGM und die wahrgenommene Kontrolle eine große Rolle. Hinsichtlich der Einstellung fanden sich Schlattmann zufolge große Unterschiede bei den untersuchten Dienststellen, die sich entsprechend auf die Teilnahmequote auswirkten.

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Stigmatisierung der Teilnehmer

Prof. Dr. Jörg Felfe von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg widmete sich der psychologischen Dimension des BGM-Projekts. Er konnte zeigen, dass im Zuge des Projektes die Teilnahmeabsicht am BGM weiter anstieg und damit eine Zunahme von Arbeitszufriedenheit und der Identifikation mit dem Arbeitgeber Bundeswehr einherging. Ein wesentlicher Risikofaktor für diese positiven Effekte ist die Führungskraft. Eine Stigmatisierung der Teilnehmer am BGM-Projekt führte in der Regel zu negativen Auswirkungen. Das BGM-Projekt fördere die Fürsorge für sich selbst und steigere so das allgemeine Gesundheitsbefinden und –bewusstsein. Dies setze einen selbstverstärkenden Mechanismus in Gang, indem es die weitere Teilnahmeabsicht an BGM-Maßnahmen erhöhe, so Felfe.

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Prävention von Stress

Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der eigenen Fürsorge sei die Prävention von Stress, erklärte Prof. Dr. Karl-Heinz Renner, der die Möglichkeiten des eigenen Ressourcentrainings vorstellte. Dabei spiele die sog. Achtsamkeit eine wesentliche Rolle. Trotz der positiven Effekte auf den Einzelnen zeige sich, dass Ängste vor einer Stigmatisierung bestünden. Die Teilnahme am Training würde dabei als Indiz für persönliche Schwäche ausgelegt werden.

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„Smart Nudging“

Die Tagung schloss mit dem Thema Ernährung ab. Prof. Dr. Ulrike Arens-Azervedo, Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, zeigte eine detaillierte Analyse der Ernährungspläne in den Truppenküchen der Bundeswehr. Ausgehend von diesen Daten präsentierte Prof. Dr. Gertrud Winkler von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen das Konzept des „Smart Nudging“. Unter Nudging verstehe man Maßnahmen, die das gewünschte Verhalten „anstupsen“ sollen. Dabei solle insbesondere kein Zwang erfolgen. Das Konzept des Nudging sei ökonomisch und ideologisch neutral. Durch simple und einfach zu organisierende Maßnahmen gelinge es – ohne jeden Druck –, die gesundheitsbewusste Ernährung zu verbessern. So sei es durch ein attraktives Arrangement gelungen, den Verzehr von Obst um 36% und den Genuss von Wasser um 14% zu steigern.

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Positive Effekte durch BGM

Zusammengefasst konnte in einem multidisziplinären Ansatz der positive Effekt des BGM auf das Gesundheitsverhalten der Mitarbeiter und Soldaten in den Pilot-Dienststellen gezeigt werden. Als kritische Größe müsse die Führungskultur gesehen werden, die entscheidend für das Gelingen des Projektes sei. Nur wenn BGM bei den Führungskräften als ein wichtiger Bestandteil des Unternehmenserfolgs wahrgenommen werde, könne die Einführung des BGM im Geschäftsbereich des BMVg gelingen.

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Stand vom: 12.04.16 | Autor: PD Dr. Kai Kehe


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