Pilotlehrgang bietet gesundheitliche Perspektive
Warendorf, 13.10.2011.
Vom 26. September bis zum 14. Oktober 2011 richtet das Sportmedizinische Institut der Bundeswehr und die Sportschule der Bundeswehr den Pilotlehrgang „Sport für Einsatzgeschädigte” aus. Hinter der Bezeichnung stehen Soldaten, die das Schicksal verbindet, im Gefecht oder bei einem Anschlag verwundet worden zu sein.

Auf den Spuren der Varus-Schlacht im Teutoburger Wald wandern elf junge Männer. Einer von ihnen ist Oberfeldwebel Naef A. Der 28-jährige Fallschirmjäger wurde am Karfreitag 2010 verwundet. Drei Projektile trafen die Beine des Soldaten. Er war der Erste von mehreren schwer Verwundeten, die das mehrstündige Gefecht forderte. Der Oberfeldwebel weiß, dass er Glück hatte. Drei seiner Kameraden bezahlten den Hinterhalt der Aufständischen mit ihrem Leben.
Schmerzen sind geblieben
Nach der Entlassung aus dem Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz machte der Oberfeldwebel eine ambulante Reha. „Wir haben alles probiert, doch die Schmerzen sind geblieben”
, erinnert sich der 28-Jährige.
Naef A. entschloss sich auf Anraten der Ärzte für eine weitere OP. „Leider ohne gewünschten Erfolg.”
Kameraden rieten ihm das Sportmedizinische Institut der Bundeswehr in Warendorf aufzusuchen. Das Institut hat sich in den vergangenen Jahren bei der Betreuung von Spitzensportlern und körperlich hochbelasteten Soldaten einen exzellenten Ruf erarbeitet.

Sporttherapie
„Immer mehr im Einsatz verletzte Soldaten finden den Weg zu uns”,
stellt auch Oberstarzt Dr. Andreas Lison fest. Für den Leiter des Institutes ist dieser Bereich der medizinischen Betreuung eine Herzensangelegenheit.
Gemeinsam mit der Sportschule der Bundeswehr und den beteiligten Kommandobehörden konzipierte der Oberstarzt den Lehrgang „Sport für Einsatzgeschädigte”.

Herausforderung
„Der Lehrgang ist eine Kombination aus sportmedizinischer Betreuung und Sporttherapie"
, so Lison. Zusätzlich begleitet ein Psychologe die Soldaten.
Doch jeder Lehrgangsteilnehmer reist mit anderen Voraussetzungen an. „Und genau hier liegt die Herausforderung”
, erklärt Lison. „Die Lehrgangsteilnehmer haben je nach Verletzungsmuster einen anderen Heilungsverlauf bzw. gesundheitliche Fortschritte erfahren.”

Individuell
Individuell ermitteln Sportwissenschaftler und Sportmediziner den Leistungs- und Gesundheitszustand und erstellen gemeinsam einen Therapie- und Trainingsplan. „Das Kunststück ist die richtige Balance zwischen physiotherapeutischer Begleitung und körperlichen Reizen in Form von Sport zu finden”
, verdeutlicht Lison.
Die fachgebietsübergreifende Betreuung kommt bei den Soldaten gut an. Auch bei Naef A. Seit zwei Monaten ist er am sportmedizinischen Institut in Behandlung. „Seitdem geht es mit mir gesundheitlich steil nach oben”
, erzählt er stolz.
Der 28-jährige wird Dank der intensiven Betreuung wieder seine Tätigkeit als stellvertretender Zugführer bei den Fallschirmjäger aufnehmen können. „Ich weiß jetzt, wo beim Sport meine Möglichkeiten und meine Grenzen liegen”
, so Naef A.
Fingerspitzengefühl
Das positive Resümee der Teilnehmer ist vor allem dem Fingerspitzengefühl der beteiligten Sportlehrer und Mediziner zu verdanken. Sie haben sich Respekt und das Vertrauen bei den Soldaten erworben, die Verwundung und Tod im Gefecht erfahren mussten. Nicht wenige mussten in den vergangenen Monaten Rückschläge und Enttäuschungen hinnehmen. Die Medizin- und Sportexperten geben diesen Soldaten eine neue Perspektive. Für Naef A. aber auch für die anderen Soldaten bedeutet der Lehrgang ein weiterer Schritt zu mehr Lebensqualität und Normalität.
