Ein Tag mit …….
Oberfeldarzt Dr. Michael Toursarkissian
Berlin, 30.01.2012.
7 Uhr – Frisch geduscht beginnt Oberfeldarzt Dr. Michael Toursarkissian nach einer morgendlichen Joggingrunde seinen Dienst. Die diensthabende Ärztin bringt den Leiter der Notfallaufnahme am Bundeswehrkrankenhaus Berlin auf den neuesten Stand. Lediglich ein Patient mit Sprunggelenksfraktur sitzt im Behandlungszimmer.
Nach dem Konsum einer halben Flasche Wodka hat der 28-Jährige auf der Treppe das Gleichgewicht verloren und ist gestürzt. Die diensthabende Ärztin hat ihn bereits untersucht und röntgen lassen.
Eigenwilliger Patient
Toursarkissian will sich ein eigenes Bild machen und stutzt, als er in das Behandlungszimmer blickt – es ist leer. „Das ist Berlin, da laufen die Patienten mit entsprechendem Alkoholspiegel schon mal mit einer Fraktur rum”
. Den „Verlust”
des Patienten nimmt der 45-Jährige mit Humor. Bereits kurze Zeit später sitzt der verschollene Patient in einem Rollstuhl vor Toursarkissian. Er untersucht den 28-Jährigen und geht mit ihm die Checkliste durch. Die unumgängliche Folgerung aus Untersuchung und Röntgenbild lässt keinen Zweifel: „Sie müssen operiert werden”
, erklärt der Notfallmediziner.
Der angetrunkene Hobbyfußballer hadert mit der Operation. „Für diese Art von Fraktur haben wir lediglich ein Zeitfenster von sechs Stunden, um primär zu operieren, danach schwillt der Knöchel so an, dass man sechs Tage warten muss”
, stellt Toursarkissian klar. Der Patient ist von der Notwendigkeit noch nicht überzeugt. Der Notfallmediziner packt den Patienten mit einer einfachen Frage: „Wollen Sie wieder Fußball spielen? Ohne OP können Sie das vergessen”
. Das Argument zieht schließlich und der junge Mann willigt in die Operation ein.
Seiteneinsteiger
Knapp drei Jahre ist Toursarkissian bereits am Bundeswehrkrankenhaus Berlin. „Seitdem sind die Fallzahlen kontinuierlich gestiegen”
, berichtet er stolz.
2009 hat er das Krankenhaus gewechselt: Von der Notfallaufnahme einer angesehenen Berliner Universitätsklinik zum Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Einen Schritt den er bisher nicht bereut hat. „Lohn und Lebensqualität passen hier einfach zueinander.”

Qualitätsmanagement
Zurück im Dienstzimmer greift Toursarkissian in die Ablage QM. Die beiden Buchstaben stehen für Qualitätsmanagement. „Ich gleiche die ärztlichen Berichte der Notfallaufnahme mit den Erste-Hilfe-Scheinen der Rettungsdienste ab, um mögliche Unstimmigkeiten in der Dokumentation zu sehen”
, erklärt der Arzt. „Insgesamt sind an einem Befund fünf Ärzte beteiligt. So kann nichts verloren gehen.”
9 Uhr - In der Notfallaufnahme ist es ruhig. Das Personal – Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, Krankenschwestern, Rettungsassistenten, Arzthelfer, Praktikanten und die diensthabenden Ärzte frühstücken. „Hier geht es erst ab 11 Uhr richtig los. Da hat der Berliner ausgeschlafen und merkt, dass ihm etwas fehlt”
, scherzt Toursarkissian.

Ausbildung
Über Funk wird ein Notarztwagen angekündigt. „Ein Patient kommt unter Reanimation zu uns”
, ruft der Rettungsassistent. Sofort springt das Personal auf, um den vermeintlich schwer verletzten Patienten zu empfangen.
Die elektronischen Schleusentüren öffnen sich mit einem Surren. Doch der Schwerverletzte, den die Besatzung des Notarztwagens in den Schockraum schiebt, ist eine Übungs-Puppe. Mit einem Schmunzeln erklärt Toursarkissian die Einlage: „Meine primäre Aufgabe ist es, die Assistenzärzte auszubilden”
.

Fit für den Einsatz
Jetzt sind die beiden diensthabenden Ärzte gefordert. Während die eine Ärztin intubiert, reanimiert die andere weiter. Nach knapp zehn Minuten beendet der Leiter der Notfallaufnahme die Übung. In der Nachbesprechung gab es für die beiden Assistenzärzte von der Inneren Medizin und der Dermatologie gute Noten. Lediglich zum Zeitmanagement äußert sich Toursarkissian unzufrieden: „Ihr müsst in solch einer Situation mehr in die Pötte kommen.”
Die Assistenzärzte, die auf ihren Stationen wenig Kontakt mit der Notfallmedizin haben, nehmen die Ausbildungseinlage dankbar an.„Ich will die Ärzte fit machen für die Notfallmedizin und natürlich auch für die Auslandseinsätze”
, so der Oberfeldarzt. Es geht um Verhaltenssicherheit. Schließlich müssen die Ärzte im Einsatz oder auf dem Notarztwagen autonom handeln können.

Erstklassiger Ruf
Toursarkissian hat die Notfallaufnahme des Bundeswehrkrankenhauses mit viel Herzblut zu einer angesehenen Einrichtung aufgebaut. „Wir haben in der Stadt einen erstklassigen Ruf, weil unsere Jungs auf den Rettungswagen einen super Job machen”
, berichtete er stolz.
Den Schlüssel zum Erfolg sieht der Notfallmediziner in der Ausbildung seines Personals und der Einführung von verbindlichen Qualitätsstandards. „Der Erfolg lässt sich sowohl an den steigenden Patientenzahlen als auch durch die regelmäßige Befragung der Rettungswagen belegen, die das Bundeswehrkrankenhaus angefahren haben”
, unterstreicht er seine Aussage.
Normaler Ablauf
Die Frühschicht in der Notfallaufnahme am Bundeswehrkrankenhaus Berlin neigt sich dem Ende zu. Es gab keine spektakulären Fälle wie in diversen Fernsehserien. Es sind eher verschiedene Schnitt- und Sturzverletzungen, ein Insektenstich und eine akute Blinddarmentzündung, die den Tagesablauf prägten.
Bei Toursarkissian spürt man die berufliche Zufriedenheit. Es sind wohl eher idealistische als finanzielle Aspekte, die ihn zur Bundeswehr getrieben haben. „Mein Leben und Wirken müssen authentisch sein”
. Ein Lebensgefühl, dass ihm wohl das Bundeswehrkrankenhaus Berlin gibt.

