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Klein aber fein

Quakenbrück, 01.12.2013.
Ruhig ist es geworden im Norden. Viele Standorte wurden oder werden geschlossen. Doch ein Standort hat an Bedeutung gewonnen: Quakenbrück. Das im Jahr 2008 aufgestellte Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial (VersInstZ SanMat) Quakenbrück hat in der neuen Struktur zusätzliche Aufträge erhalten und wurde personell aufgestockt. Neben der Sanitätsmaterialversorgung und –bewirtschaftung sowie der Herstellung von Arzneimitteln, Sehhilfen und demnächst auch medizinischen Gasen ist die Medizintechnik das dritte Standbein des VersInstZ SanMat Quakenbrück.

Oberstabsbootmann Thomas König im Ersatzteillager

Oberstabsbootmann Thomas König im Ersatzteillager (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/ Klein)Größere Abbildung anzeigen

Oberstabsbootsmann Thomas König ist der Dreh- und Angelpunkt im Bereich Medizintechnik im VersInstZ SanMat Quakenbrück. „Wenn luftverlegbare Sanitätseinrichtungen (LSE) oder modulare Sanitätseinrichtungen (MSE) für ein Einsatzgebiet, wie zuletzt für Mali, vorbereitet werden, sind wir mehr als ausgelastet. Wir erhalten die Medizingeräte, um sie sicherheits- und messtechnisch auf einen aktuellen und einheitlichen Stand zu bringen“, so der 53-Jährige staatlich geprüfte Medizintechniker. „Die messtechnischen Kontrollen können wir nur hier durchführen, da wir dafür spezielle messtechnische Kontrollräume benötigen, die bei der öffentlich rechtlichen Aufsicht angemeldet sein müssen. Nur so kann man die geforderten Standards einhalten“, erklärt König.

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Überprüfung eines Beatmungsgerät für Intensivtherapie "Evita 4"

Überprüfung eines Beatmungsgerät für Intensivtherapie "Evita 4" (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/ Klein)Größere Abbildung anzeigen

Praktische Kenntnisse

Zehn weitere Medizintechniker sind im VIZ Quakenbrück noch tätig. Unterstützt werden sie von „Praktikanten“, wie Bootsmann Anwärter Obermaat Alexander Blume. Anfang April 2014 wird er seine zivilberufliche Ausbildung zum Medizintechniker beginnen wird. „Bevor die angehenden Medizintechniker in die Ausbildung gehen, erhalten sie bei uns einen umfassenden Einblick in ihre zukünftigen Aufgabenfelder“, erklärt der Oberstabsbootsmann. Vor elf Jahren, als er vom Schiffsantriebsmeister zum Medizintechniker umgeschult hat, gab es diese Möglichkeit noch nicht. „Wir hatten auch schon Praktikanten, wie einen gelernten Orthopädietechniker, der nach vier Wochen feststellte, dass die Medizintechnik nicht seine Welt ist. – Zu viel Technik, zu wenig Handwerk. Daher ist das Praktikum für beide Seiten von Vorteil“, sagt König. Obermaat Blume wartet bereits, um gemeinsam mit dem erfahrenen Medizintechniker die Beatmungsgeräte für Intensivtherapie „Evita 4“ eines Einsatzlazaretts zu überprüfen.

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Eine Infusionspumpe wird überprüft

Eine Infusionspumpe wird überprüft (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/ Klein)Größere Abbildung anzeigen

Mobile Prüftrupps

Für die medizintechnischen Arbeiten stehen seit Sommer 2013 nach dem Umbau einer Lagerhalle neue Räumlichkeiten für die Wartung und Instandsetzung zur Verfügung. Zudem prüfen fünf mobile Trupps die Medizingeräte in den Sanitätseinrichtungen vor Ort. Neben den sicherheitstechnischen Kontrollen, die dem Schutz des Anwenders dienen, führen sie auch kleinere Instandsetzungsarbeiten durch und prüfen die Behandlungseinheiten in den Zahnarztgruppen. „Unsere Medizintechniker wechseln sich bei den Dienstreisen ab, damit die zeitlichen Belastungen gleichmäßig verteilt sind“, erklärt König. „Schließlich sind wir auch in den Einsatzgebieten unterwegs – im Durchschnitt einmal im Jahr für sechs bis sieben Wochen je Techniker. Es kann schon mal vorkommen, dass man auch mal kurzfristig weg muss, wenn eine dringende Instandsetzung vor Ort ansteht.“ Das Familienleben sei früher planbarer gewesen, als er noch zur See fuhr, habe sich ihm gegenüber seine Frau geäußert.

Die Medizintechniker nehmen ihre Prüfausrüstung im Flugzeug mit in die Einsatzgebiete. Das Problem stellt dabei immer das Gewicht der Prüfsätze dar, berichtet König. „Wir können schließlich nicht unsere Ausrüstung vorab verschicken, da wir die Prüfgeräte auch am Heimatstandort benötigen.“ Der zeitliche Aufwand für vor Ort Prüfungen wie z.B. beim NATO Hauptquartier in Izmir/Türkei ist groß. „Ein Techniker benötigt für die sicherheitstechnischen Kontrollen zwei Tage und ist dafür eine Woche unterwegs“, sagt König. Er selbst hat bereits acht Auslandseinsätze absolviert.

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Aufbau einer Sauerstofferzeugungsanlage

Aufbau einer Sauerstofferzeugungsanlage (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/ Klein)Größere Abbildung anzeigen

Autarke Versorgung in den Einsatzgebieten

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr verfügt über eigene Sauerstofferzeugungsanlagen, um in den Einsatzgebieten und auf den Einsatzgruppenversorgern der Marine unabhängig von der Versorgung mit Sauerstoffflaschen aus der Heimat zu sein. „Wir haben nun eine eigene Sauerstofferzeugungsanlage erhalten, um das Sanitätspersonal, das die Anlagen in den Einsatzgebieten bedient, auszubilden“, sagt Stabsfeldwebel Maik Lücking. „Bisher wurde das Personal bei der Herstellerfirma für die Einsätze ausgebildet“, ergänzt König.

Im VersInstZ SanMat werden auch die in den Einsatzgebieten eingesetzten Ionenaustauscher gewartet. „Die Geräte entmineralisieren und entsalzen das Wasser vollständig. Mit der Herstellung des „demineralisierten Wassers“ vor Ort, erspart man sich den aufwendigen Transport der Wasserbehälter in die Einsatzgebiete“, berichtet der 53-Jährige.

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Sicherheitstechnische Kontrolle einer Infusionspumpe

Überprüfung einer Infusionspumpe (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/ Klein)Größere Abbildung anzeigen

Vielfalt

Jedes VersInstZ SanMat ist in Teilbereichen spezialisiert. In Quakenbrück liegen die Schwerpunkte bei den Anästhesie- und Intensivmedizingeräten, sowie den Dentalgeräten. „Um unsere vielfältigen Medizingeräte prüfen zu dürfen, erhalten die Medizintechniker Firmeneinweisungen auf die jeweiligen Geräte. Dadurch sind unsere Techniker nach ihrer Dienstzeit auf dem zivilen Arbeitsmarkt gefragte Spezialisten“, sagt König.

Medizintechniker Oberfeldwebel Andreas Kläver führt im Nebenraum mit Stabunteroffizier Lena Bruns sicherheitstechnische Kontrollen an Infusionspumpen durch. Die gelernte Hörgeräteakustikerin ist seit Juli 2012 Soldat. „Die Arbeit bereitet mir viel Freude, weshalb ich nun gerne den Beruf des Medizintechnikers erlernen möchte“, so die 23-Jährige.

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Überprüfung eines Life-Base Notfallbeatmungsgerätes

Überprüfung eines Life-Base Notfallbeatmungsgerätes (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr/ Klein)Größere Abbildung anzeigen

Aufträge gibt es immer

Die Versorgung der Truppe steht im VersInstZ SanMat Quakenbrück im Vordergrund. Durch die hohe Einsatzrelevanz der Aufträge sei es oft schwierig die Balance zwischen den fachlichen Aufträgen und dem Ableisten der individuellen Grundfertigkeiten eines Soldaten zu halten. „Wenn man denkt, dass die Aufträge abgearbeitet sind, dann haben wir immer noch die Life-Base–Notfallbeatmungsgeräte, die gehen immer. Alle zwei Jahre müssen diese geprüft werden – und die Bundeswehr hat einige davon“, sagt König schmunzelnd. Mit der Einnahme der neuen Struktur werde man auch personell wachsen. „Der Standort Quakenbrück ist zwar klein aber fein. Wir sind etwas abgelegen, dafür haben wir aber viel Platz, moderne Arbeitsplätze und bleiben bestehen“, so der 53-Jährige.

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Stand vom: 02.12.13 | Autor: Knut Klein


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