Elektronik, Pneumatik, Mechanik und Dampferzeugung - Sterilisatoren, Medizingeräte, die alles miteinander vereinen
Blankenburg, 14.03.2013.
Eine mächtige sechs Mal sechs Meter große und 100 Tonnen schwere massive Stahlwand gilt es nach dem Tor zur Untertageanlage in Blankenburg zu passieren. Von hier aus werden nicht nur Soldaten aus vier Wehrbereichen mit Medikamenten versorgt, sondern auch Sterilisatoren und Medizingeräte mit bildgebenden Verfahren, wie Röntgen- und Ultraschall Geräte gewartet und instandgesetzt. Die staatlich geprüften Medizintechniker des Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial Blankenburg, kurz VIZ zeichnen verantwortlich für die Freigabe der Medizingeräte. Aufgeteilt in drei Fachgruppen führen sie nicht nur die Prüfungen in Blankenburg durch, sondern fahren für sicherheits- und messtechnische Kontrollen auch zu den zu versorgenden Einheiten. Zusätzlich sind sie für die Einsatzbereitschaft der bis zu 800 Medizingeräte je Einsatzgebiet zuständig.

Spezialist für Sterilisatoren
Hauptfeldwebel Norman Guhl, einer von neun Medizintechnikern des VIZ ist für die Gruppe der Sterilisatoren verantwortlich und wird von Stabsunteroffizier Jens Nefen unterstützt. Mit der Eingangsprüfung der Medizingeräte beginnt jede Wartung, um festzustellen welches Intervall fällig ist und welche Ersatzteile benötigt werden. „Das ist so, als wenn sie ihr Auto in die Werkstatt bringen, da schaut ja auch zuerst der Meister, was gemacht werden muss
“, sagt Hauptfeldwebel Guhl. Die von der Truppe erstellten Prüfbelege beinhalten nicht immer alle Informationen, veranschaulicht er.
Es gibt nichts was wir nicht machen
Sterilisatoren sind komplexe Medizingeräte, was eine Fehleranalyse nicht einfach macht. Elektronik, Pneumatik, Mechanik und Dampferzeugung greifen hier ineinander über, aber gerade dies ist für den Medizintechniker das Reizvolle an seiner Aufgabe. „Es gibt nichts was wir nicht machen
“, so Guhl mit Blick auf den Instandsetzungsumfang und dem Leistungsvergleich gegenüber den Herstellern. Mit seinem seit 2009 erworbenen außerordentlichen Fachwissen meistert er auch knifflige Aufträge. „Erfahrung ist das Wichtigste
“, sagt Oberstabsfeldwebel Stephan Schneider, sein Zugführer. „Aus diesem Grund wurden auch die Fachgruppen gebildet, um mittels Spezialisierung schnellstmögliche Fehleranalysen betreiben zu können“
, führt er weiter aus. Modernste Technik wie Daten-Logger, die den Druck und die Temperatur des Sterilisators aufzeichnen, kommen zum Einsatz. Am Computer werden diese ausgewertet und festgestellt, ob das Gerät noch die Norm erfüllt. Sollte dies nicht der Fall sein, erfolgt eine Fehlersuche und die anschließende Instandsetzung.

In Ruhe arbeiten
Den aus Brandenburg kommenden Guhl stört die Arbeit unter Tage nicht. „Man kann in Ruhe arbeiten, kein Telefon, kein LoNo Anschluss, niemand der einen stört. Außerdem müssen wir nur für die Arbeit an den Sterilisatoren und Röntgengeräten in den Berg und nicht wie die Kameraden in der Apotheke, die ganztägig unter Tage arbeiten. Meine anderen Aufgaben, wie Material bewirtschaften, medizinische Geräte kalibrieren und Schriftverkehr mache ich, bevor ich in die Anlage gehe
“, führt er weiter aus.

Selbst hergestellte Prüfhilfsmittel
Für die alle fünf Jahre durchzuführende Druckbehälterprüfung des Sterilisators setzt der Medizintechniker Prüfmaterial ein, das in der VIZ-eigenen Schlosserei hergestellt wurde. „Man muss auch kreativ sein
“, sagt Schneider, während er einen weiteren selbst hergestellten Adapter reicht. Neben seiner Ausbildung als staatlich geprüfter Medizintechniker und den Firmeneinweisungen wurde Guhl auch noch zur befähigten Person für Druckgeräte bei der technischen Überwachungsstelle der Bundeswehr ausgebildet. Zwei Tage benötigt Hauptfeldwebel Guhl mit dem gelernten KFZ-Mechatroniker Nefen für die Zerlegung, Überprüfung des Druckbehälters und den Zusammenbau eines Sterilisators. „Der Techniker gibt mit seiner Unterschrift das Gerät wieder frei, mit allen haftungsrechtlichen Konsequenzen, wie der Kfz-Meister in der Kfz-Werkstatt
“ so Guhl. Das Dokumentieren der aufgewendeten Stunden und der eingebauten Ersatzteile ist notwendig um die Instandsetzungskosten zu ermitteln. Diese sind die Grundlage für die Rentabilitätsfrage, wenn weitere Reparaturen an dem Gerät erforderlich sind. „Um die Instandsetzungszeiten in einem angemessenen Rahmen zu halten, ist unser großes Ersatzteillager sehr hilfreich
“, erklärt Oberstabsfeldwebel Schneider.

Umfangreiche Auftragslage
Neben den Sterilisatoren und Geräten für bildgebenden Verfahren werden in der Sanitätsgeräteinstandsetzung noch zahlreiche andere Medizingeräte fachgerecht gewartet, instandgesetzt oder geprüft. „Die Wartung der 1.400 Defibrillatoren der neuen Generation steht jetzt an, sie wird komplett durch Medizintechniker der Bundeswehr abgedeckt
,“ erläutert Schneider die anstehenden Herausforderungen. Rund 2.600 Instandsetzungsaufträge wurden 2012 durch die Medizintechniker abgearbeitet. „Die Arbeit geht uns in der Instandsetzung nie aus
,“ sagt der Instandsetzungszugführer. Die Liste der zu prüfenden Medizingeräte, wie Überwachungsmonitore, EKG-Monitoring, Hochfrequenz-Chirurgiegeräte, Notfallbeatmungsgeräte, Intensivbeatmung, Narkosegeräte ist lang. „Für jedes Medizingerät bedarf es einer firmeneigenen Einweisung bzw. Ausbildung, um die Geräte prüfen und warten zu dürfen
“, erklärt er.
Praktische Verpackungslösungen
Transportschäden aufgrund unsachgemäßem Verpackungsmaterials sind nicht selten an der Tagesordnung betont Schneider. In der VIZ-eigenen Schreinerei werden für solche Fälle, wie ein Reizstromtherapiegerät, Transportkisten maßgeschneidert. „Schließlich sollen die Medizingeräte nach der Instandsetzung wieder einsatzbereit die Truppe erreichen
“, sagt Schneider und führt weiter aus, „Ich bin froh, wenn neu zu versetzte Soldaten über einen Eingangsberuf wie Schreiner oder Lackierer verfügen. Für die Instandsetzung von Ausbildungsmaterial, wie den Ambu-Man oder Infusionsarme brauche ich auch immer Bastler und Tüftler
“.

Nicht nur Brilleneinsätze
Dass sie in Blankenburg nicht nur auf Sterilisatoren spezialisiert sind zeigt sich u.a. in der Optikgruppe. Hier stellt Oberfeldwebel David Barheine mit seinem Team maßgefertigte Brilleneinsätze für Spezialbrillen, Atemschutzgeräte, ABC-Schutzmasken und Splitterschutzbrillen her. Nach der Beschaffung werden die Glasrohlinge computergestützt geschliffen und individuell an den Benutzer angepasst, erklärt der gelernte Optiker. Ein beträchtlicher Anteil der über 5000 hergestellten Brillen bzw. Brilleneinsätze des vergangenen Jahres waren Ersatzbrillen für Soldaten die für einen Auslandseinsatz vorgesehen sind.

