Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Medizin und Gesundheit > Y. Artikel - Unscheinbare Gefahr

Unscheinbare Gefahr

München, 16.04.2009, Y. Magazin.
Gut getarnt zwischen hohen Gräsern lauern sie auf ihre Opfer: Zecken. Viele Mythen ranken sich um diese Insekten. Y. erklärt Gefahren, Krankheiten und Vorsichtsmaßnahmen.

Eine Zecke sitzt auf einem Grashalm und wartet auf einen Wirt

Über Grashalme gelangen sie an den Wirt (Quelle: Sanitätsdienst Bundeswehr / Schandert)Größere Abbildung anzeigen

Zecken beißen – nur eine von vielen falschen Vorstellungen über das Spinnentier. Zecken sind wie Mücken blutsaugende Parasiten und auf der ganzen Welt verbreitet. Dabei stechen sie ihren Wirt, um an sein Blut zu gelangen. Sie lassen sich auch nicht, wie häufig vermutet, von Bäumen fallen, sondern brauchen direkten „Körperkontakt“. Zecken werden von Warmblütern im Vorbeigehen von Gräsern, Büschen und Unterholz abgestreift. Das Gefährliche an ihnen ist, dass sie hierzulande weitaus mehr Krankheitserreger übertragen als die Stechmücke. In Deutschland drohen zwei schwerwiegende Erkrankungen: die von Bakterien ausgelöste Lyme-Borreliose und die Virusinfektion Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die FSME-Erkrankung beginnt mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen sowie Schwindelgefühl. Nach einem fieberfreien Zeitraum von einigen Tagen entwickelt sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei rund zehn Prozent der Patienten eine Hirnhaut- und Gehirnentzündung. Bleibende Lähmungen, Bewusstseins- und Sprachstörungen oder andere Erkrankungen des Nervensystems können in besonders schlimmen Fällen die Folgen sein.

nach oben

Ist eine Impfung wichtig?

Vor allem in Süd- und in Ostdeutschland tragen Zecken den Virus in sich. Doch mit rund 250 Patienten pro Jahr ist die FSME keine besonders häufige Erkrankung. Eine Impfung schützt. In Österreich, wo rund 80 Prozent der Menschen gegen FSME geimpft sind, kommt die Erkrankung trotz hoher Anzahl der Zecken kaum mehr vor. „Menschen, die sich in FSME-Gebieten aufhalten, sollten sich impfen lassen“, empfiehlt Oberstabsarzt Dr. Hinrich Sudeck (52), Oberarzt in der Abteilung für Innere Medizin und Tropenmedizin am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg. „Für Soldaten im Gelände und andere Berufsgruppen, die sich viel im Freien aufhalten, ist eine solche Impfung wichtig. Das gilt besonders für Auslandseinsätze auf dem Balkan“, sagt Sudeck. Denn dort, so erläutert der Spezialist weiter, sei nicht nur die Verbreitung der Zecken höher. Auch die Virenstämme seien wesentlich aggressiver und das Risiko höher, dass der Körper sich bei einem Stich gegen die Infektion nicht wehren könne.

nach oben

Borreliose

Gegen die Borreliose jedoch gibt es keine Impfung. Deutschlandweit und überall dort, wo gemäßigtes Klima vorherrscht, tragen Zecken die Bakterien in sich. Bis zu 35 Prozent der Spinnentiere sind je nach Gebiet Überträger der Krankheit. Die Erkrankung ist tückisch, denn sie verläuft langsam und kann sich über Jahre hinweg in verschiedenen Stadien äußern. Bleibt Borreliose unbehandelt, entwickeln sich im dritten und letzten Stadium schließlich chronische Erkrankungen der Gelenke und der Haut. In seltenen Fällen wird auch das Gehirn angegriffen.
Anfangs zeigt die Erkrankung nur eine sehr dezente Symptomatik, wie Müdigkeit, Lymphknotenschwellungen, Fieber und Kopfschmerzen“, erläutert Sudeck. In etwa der Hälfte der Fälle bildet sich einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich die sogenannte Wanderröte, eine ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle. Wichtig ist es, die Krankheit früh zu erkennen. Eine Infektion lässt sich leicht durch eine Blutuntersuchung feststellen. „Je früher Borreliose behandelt wird, desto höher sind die Chancen sie ganz zu heilen“, betont der Tropenmediziner.

nach oben

Nur die Ruhe

Trotzdem besteht kein Grund zur Panik. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine verseuchte Zecke den Gestochenen mit Borrelien infiziert, liegt bei 1,5 bis 6 Prozent. Weil unser Immunsystem aber durchaus in der Lage ist, sich gegen die Erreger der Borreliose zu wehren, erkranken von den Infizierten nur 0,3 bis 1,4 Prozent. Wer eine Zecke an sich entdeckt, muss also nicht direkt zum Arzt. Stattdessen sollte er sie sorgsam entfernen (siehe Servicekasten). „Zeigen sich jedoch nach einem Zeckenstich eine Rötung um die Einstichstelle oder andere Symptome, sollte der Betroffene zum Truppenarzt und diesen auch auf den Stich aufmerksam machen“, rät Sudeck. Kritischer sieht es für Soldaten im Ausland aus. Dort drohen ganz andere Gefahren durch Zeckenstiche. Eine der gefährlichsten und häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen für Soldaten im Auslandeinsatz ist das Krim-Kongo-Fieber. Es tritt in Südosteuropa, Asien und Afrika auf. Das Virus kann die Blutgerinnung des Menschen verhindern. Es kommt zu Darmblutungen, Bluterbrechen und inneren Blutungen. Jeder zweite Infizierte, bei dem das Fieber ausgebrochen ist, stirbt ohne die richtige Behandlung.

nach oben

Behandelbar

Gegen das Virus gibt es noch keinen Impfschutz. „Im Frühstadium ist die Erkrankung jedoch gut behandelbar“, beruhigt Oberstabsarzt Sudeck. Der Tropenmediziner empfiehlt allen Soldaten dringend, die von der Bundeswehr zur Verfügung gestellten vorbeugenden Maßnahmen wahrzunehmen. Das betrifft das korrekte Tragen der dauerhaft mückenabweisenden imprägnierten Uniform ebenso wie das Einreiben der unbedeckten Haut mit zeckenabweisendem Insektenschutzmittel. „Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Soldat oder die Soldatin zusätzlich ihren Körper auf einen möglichen Zeckenbefall untersuchen, damit der Kontakt zwischen dem Blutsauger und seinem Wirt möglichst kurz ist und damit das Risiko für die Übertragung von Krankheiten gering bleibt“, erklärt der Mediziner. Durch solche Maßnahmen können sich auch Soldaten im Ausland wirkungsvoll gegen die kleinen Blutsauger schützen.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 02.12.13 | Autor: 


http://www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de/portal/poc/sanitaetsdienst?uri=ci%3Abw.zsan.medizin&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB080000000001%7C7R6DQG292INFO