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Geschichte des Sanitätsdienstes

Geschichte des Militärsanitätswesens von der Antike bis Heute

Entwicklung des Sanitätsdienstes

Die Entwicklung des Sanitätsdienstes erfolgte nicht gradlinig - sondern in ständiger Abhängigkeit von medizinischen, militärtechnischen und kulturellen Entwicklungen. Der Ausgang einer Schlacht wurde neben taktischen und strategischen Gegebenheiten maßgeblich von der Einsatzbereitschaft und Ausbildung der Truppe bestimmt. Hier stellte bei der Aufstellung von großen Heeren bis zur Entwicklung eines effizienten Sanitätsdienstes die gesundheitliche Lage und der Einfluss von Seuchen und Infektionskrankheiten eine für die Heeresführung und Kriegsplanung unwägbare Einflussgröße dar. Mit den Fortschritten der zivilen Medizin wuchs auch die Einsicht und Bereitschaft der Heeresführung die medizinische Versorgung der Soldaten voranzutreiben.

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Beginn in der Antike

Die Anfänge einer „geregelten“ Arztausbildung finden sich um 500 vor Christus in Griechenland. 400 Jahre später, um 100 vor Christus wird mit Verschmelzung der griechischen Kultur in das Römische Reich auch die Lehre der Medizin in der römischen Kultur verfeinert. Dabei erfolgte die unentgeltliche Ausbildung als eine Art Lehre unter einem erfahrenen Arzt.

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Das römische Heer

Erste Ansätze eines Militärsanitätswesens finden wir in einer der erfolgreichsten Armeen des europäischen Kontinents: dem römischen Heer. Hier wurde erstmals geschichtlich dokumentiert der noch junge Arztberuf in die Legionen des Kaisers Augustus (63 vor bis 14 nach Christus) aufgenommen. Dabei entsprach diese neu erfundene Gliederung verblüffend der heute bestehenden.

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Kaiser Augustus

Kaiser Augustus trieb die medizinische Versorgung seiner Legionen weiter voran. Die Organisation des Militärsanitätswesens war, wie auch die Heeresstruktur, für die damalige Zeit sehr fortschrittlich. Als Anreiz für werdende Ärzte für den wenig lukrativen Militärdienst fern von Rom wurde schon damals die Möglichkeit einer bezahlten Ausbildung als „immunes“ (Gefreite, d. h. von Steinklopfen oder Bauarbeiten befreit) und nach Ausbildung die Erhebung in den Offiziersrang angeboten. Weiterhin wurden in befestigten Lagern ein eigenes Gebäude, ein sogenanntes „Valetudinarium“, zur Versorgung verletzter und erkrankter Soldaten mit der Möglichkeit der Trennung der erkrankten von dienstleistenden Soldaten ermöglicht.

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Erste Militär-Krankenhäuser

Das war die Geburtsstunde der Militär-Krankenhäuser, Ansätze der Ernährungs- und Lagerhygiene wurden hier entwickelt. Sogar das heute noch bestehende Vertragsarztmodell wurde jetzt eingeführt, dabei konnten die Ärzte selbst vertraglich die Verwendungsdauer festlegen, ohne soldatische Pflichten aber auch nicht die Rechte zu erhalten. Auch die nichtärztliche Versorgung mit Sanitätsgefreiten und Feldwebeldienstgraden wurde etabliert.

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Organisation geriet in Vergessenheit

Mit dem Zerfall des Römischen Reiches in den folgenden Jahrhunderten geriet auch diese vorbildliche Organisation weitgehend in Vergessenheit. Die instabilen Verhältnisse der folgenden Jahre warf die Entwicklung des Sanitätsdienstes in Europa zurück. Ein hoher Standard der medizinischen Versorgung war allenfalls im ostasiatischen Raum beibehalten worden. Die abendländlichen Ritterheere wurden durch die Leibärzte der Ritter begleitet. Zaghafte Versuche von organisierten Strukturen tauchen mit der Entstehung von Spitälern (hauptsächlich zu Pflege und Fürsorge Armer und Ausgesetzter oder Pilger) unter der Leitung von Orden und Klöster auf.

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Feste Strukturen bilden sich

Erneute militärisch geprägte Organisationsstrukturen militärmedizinischer Versorgung entstehen in den Söldnerheeren des 15. – 17. Jahrhunderts, neue Herausforderung an den Sanitätsdienst stellen sich durch den zunehmenden Einsatz von Schusswaffen mit sich nun vermehrt anfallenden Schussverletzungen. Bis zum heutigen Tage ist nun die Militärchirurgie vorrangig an die Versorgung dieser Wunden verbunden, der Einsatz immer weiter entwickelter Waffen und Munition aber auch die Innovationen im Bereich der Schutzmaßnahmen erfordern stets eine Anpassung der medizinischen Versorgung. So ermöglichen heutzutage z. B. neue Schutzwesten das Überleben schwerster Gewalteinwirkung durch Schutz lebensnotwendiger Organe, die ungeschützten Körperpartien sind aber weiterhin dieser massiven Gewalteinwirkung ausgesetzt. Dadurch treten zunehmend Verletzungen an Extremitäten auf, die eine extrem differenzierte, extremitätenschonende chirurgische Versorgung erfordern.

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Heere des 17. und 18. Jahrhunderts

Eine wie zu Beginn hierarchisch geprägte Struktur des Sanitätsdienstes findet sich in den stehenden Heeren des 17. und 18. Jahrhunderts wieder. Dienstgradbezeichnungen lauten z. B. Feldscher, Feldarzt, Regimentsfeldscher bis zum Generalchirurgicus. Vorbild für viele europäische Staaten war u.a. die von König Ludwig XV. von Frankreich gegründete „Service de santé“ (1718). Eine zunehmend wissenschaftliche Aufarbeitung inform von Schriften über Feldkrankheiten, Statistik und Wundversorgung entsteht. Wesentlich beeinflusst wurde die junge Wissenschaft durch die Aufklärung. So wurde 1785 in Wien unter Giovanni Alessandro Brambilla (1728-1800) die medizinisch-chirurgische Josephs - Akademie gegründet. Schwerpunkt der Ausbildung lag bei der Ausbildung zum Chirurgen. 1795 entstand in Berlin die medizinisch-chirurgische Pépinière unter der Leitung von Johann - Friedrich Goercke (1750-1822). Sie sollte, unter wechselnden Namen (zuletzt Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen), bis 1919 Bestand haben und wesentlich die militärische aber auch die zivile Medizin beeinflussen. Die von 1934- 1945 aufgestellte militärärztliche Akademie stand ebenfalls in dieser Tradition.

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Entstehung des Roten Kreuzes und Genfer Konventionen

Wichtiges Datum des Militärsanitätsdienstes ist das Jahr 1864 in dem die Genfer „Konvention zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken bei den im Felde stehenden Armeen“ von 12 Staaten Europas unterzeichnet wurde. Hintergrund war die Schlacht in Solferino zwischen Italienern und Franzosen einerseits und Österreich andererseits im Jahre 1859. Hier stellte der schweizer Geschäftsmann Henry Dunant zu seinem Entsetzen fest, das tausende verwundete Soldaten ohne Hilfe auf dem Schlachtfeld zurückgelassen wurden. In einer von ihm initiierten spontanen Hilfsaktion wurden Soldaten aller verfeindeten Parteien versorgt und gepflegt. Im Anschluss verfasste Dunant das Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ mit dem Vorschlag eine Organisation zu gründen, deren Mitglieder ohne Rücksicht auf die Nationalität Kriegsopfer medizinisch betreuen sollen. In der 1. Genfer Konvention von 1864 wurde die Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, anlehnend an das Neutralitäts- und Schutzzeichen rotes Kreuz auf weißem Grund (Negativ der Schweizer Fahne, in den islamischen Ländern ein roter Halbmond), beschlossen.

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Erster Weltkrieg

In den Folgejahren wurde die Weiterentwicklung des Sanitätsdienstes in den Armeen Deutschlands weiter fortgeführt. Ein zunehmender Ausbau des Krankentransportwesens unter Zuhilfenahme fortschrittlicher Transportmittel wurde betrieben. Nach Aufstellung eines Sanitäts- und eines Sanitätsoffizierkorps in Preußen und im Deutschen Reich 1868 bis 1873 wurde ab dem Jahre 1907 die Kriegssanitätsordnung (K.S.O.) erlassen, die für das Heeressanitätswesen im Ersten Weltkrieg die Grundlage herstellte. Dem preußischen Generalstabsarzt als Leiter des Feldsanitätswesens im Einsatz wurden die Armee- und Etappengeneralärzte unterstellt. Die aufgestellten Sanitätseinrichtungen und –einheiten wurden dem Armeekorps als Korpsarzt, Sanitätskompanien und Feldlazaretten zugeteilt, den Etappeninspektionen wurden die Kriegs- Etappen- und Seuchenlazarette sowie Leichtkranken- und Krankentransportabteilungen u.a. zugewiesen.

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Zweiter Weltkrieg

In der Wehrmacht des Zweiten Weltkrieges hatten alle Teilstreitkräfte eigene Sanitätsdienste gestellt, die dann ab Juli 1942 dem Chef des Wehrmachtssanitätswesens unterstellt waren. Die grobe Struktur der Wehrmacht wurde nach Aufbau eines Sanitätsdienstes in der Bundeswehr bis zur Umstrukturierung im Jahre 2002 übernommen und fand sich im Sanitätsdienst aller Teilstreitkräfte wieder.

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Heute

Heute leistet der Sanitätsdienst der Bundeswehr seinen Beitrag zur Erfüllung der Aufträge der Bundeswehr an vielen Standorten innerhalb und außerhalb Deutschlands. Er bedient sich dabei modernster Medizintechnologie, hochflexibler Sanitätseinrichtungen, neuentwickelter Transportmittel und –Wege,sowie ständiger Aus-, Weiter- und Fortbildung aller im Sanitätsdienst eingesetzten Soldaten auch in Kooperation mit zivilen Einrichtungen um den sicherlich hohen Anspruch der Bundeswehr gerecht zu werden.

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Stand vom: 21.10.14 | Autor: 


http://www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de/portal/poc/sanitaetsdienst?uri=ci%3Abw.zsan.ueberuns.geschichte